Titelthema: Spiele

Adelsspiele, Ritterkämpfe, Volksvergnügen

Text: Dr. Andrea Bräuning, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg.

Mit Zunahme der Stadtgrabungen häufen sich in den letzten Jahren auch spätmittelalterliche Spielzeugfunde, meist stammen sie aus Latrinen, bedingt durch die guten Erhaltungsbedingungen in diesem feuchten Milieu. Sonst sind Funde aus organischen Materialien wie Steckenpferde oder Stelzen, Windrädchen und Schweinsblasen, sowie Springseile und Papierdrachen nicht mehr nachweisbar, auch Spielkarten sind rar. Spielzeug aus Ton, Metall oder Knochen hingegen erhielt sich gut. Zu den eher seltenen Funden gehören Puppen aus Holz, so genannte Docken, die vom Dockenmacher gefertigt wurden. Etwa aus dem Jahr 1300 stammt das Exemplar, das in einer Lübecker Latrine bei Stadtgrabungen entdeckt wurde. Häufiger sind Puppen aus Ton überliefert. Meist wurden sie von den »Bilderbäckern«, die sonst Heiligenfigürchen und Votivgegenstände herstellten, produziert. Im süddeutschen Raum waren im 14./15. Jh. die »Kruselerpuppen« sehr beliebt, so benannt nach ihrer Kopfbedeckung, dem »Kruseler«, einem Schleier mit seinem Ausputz durch Rüschen und Krausen. Aus dem vorderen Orient gelangte die Kenntnis des Schachspiels nach Europa. Bild- und Schriftquellen zeigen, dass Brettspiele wie Schach und Trictrac, ähnlich dem heutigen Backgammon, zum beliebtesten Zeitvertreib der höfischen Gesellschaft, aber auch von Klerus und Stadtbevölkerung gehörten. Die Unterscheidung, wer damit gespielt hat, findet sich im Material. Die ersten großen organisierten sportlichen Ereignisse in der Stadt waren vom Adel veranstaltete Turniere. Diese ursprünglich auf den Burgen stattfindenden Spiele verlagerten sich im Hochmittelalter in die Städte. Das Erste dieser Art ist für 1184 aus Worms überliefert. Als Gegenpart zum adeligen Turnier entwickelte sich in den Städten das Schützenfest, das keine so engen Standesgrenzen kannte und bei dem - neben dem Schießen - auch »offene Spiele« ausgetragen wurden. Dazu gehörten zum Beispiel Laufen, Springen und Steinstoßen. Zu gewinnen gab es neben Geld auch unterschiedlich wertvolle Sachpreise. Auf dem Züricher Schützenfest von 1472 beispielsweise erhielt der Beste im Laufen, Springen und Stoßen einen Gulden zum Sieg und in Stuttgart konnte man 1501 auch erlesene Tuche und Stoffe wie Barchent oder Lyndisch Hosen (Londoner Hosen) erhalten. »Schwein gehabt« hatte derjenige, der den letzten Gewinn beim Schießen, den »Pritschenschuss«, hatte. Er bekam eine Sau mit Ferkeln überreicht. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt