Forschung: Schamanistische Elemente in Paläo- und Mesolithikum
An den Grenzen der Dinge
Text: Dr. Martin Porr, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Halle.
Bei der Beschäftigung mit dem Schamanismus in der Archäologie muss man zunächst eine enge und eine weite Definition dieses Phänomens unterscheiden. Erstere begrenzt den »Schamanismus« auf die spezifischen religiösen Vorstellungen, Praktiken und materiellen Güter der sibirischen und nordasiatischen Völker. Daher scheint der Archäologie eigentlich nur eine weit gefasste Definition des Schamanismus weiterzuhelfen, die gleichzeitig Konzepte der tiefer liegenden Mechanismen möglicher schamanistischer Äußerungen mitbringt. Die Archäologen David Lewis-Williams und Thomas Dowson entwickelten im Laufe der 1980er-Jahre das so genannte neuropsychologische Modell zur Erklärung von verschiedenen Elementen südafrikanischer Felsbilder. Aufgrund seiner Komplexität und Vielfältigkeit nimmt das Inventar mobiler Kleinkunst aus den Aurignacienfundstellen Hohle Fels, Geißenklösterle, Hohlenstein-Stadel und Vogelherd auf der Schwäbischen Alb eine besondere Stellung in der paläolithischen Kunst Europas ein. Auf dem von Gustav Riek so genannten »Rentier« ist ein aus verschiedenen Bögen zusammengesetztes Muster zu sehen, welches offensichtlich keine natürliche Fellstruktur nachzeichnet. Es scheint eher unabhängig vom Tierkörper zu bestehen. In dieser Anordnung erinnert es in gewisser Weise an die Verbindungen zwischen abstrakten und figürlichen Elementen in der viel späteren Höhlenkunst wie etwa bei den Pferden von Pech Merle. Nach dem neuropsychologischen Modell entspricht diese Kombination einer Halluzination in der ersten Stufe der Trance, in der bestimmte geometrische Muster zusammen mit realen Objekten gesehen und vorgestellt werden. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



