International: Marokko
An der Nahtstelle zweier Kontinente
Text: Dr. Josef Eiwanger, Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie, DAI BonnDr. Josef Eiwanger, Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie, DAI Bonn
Mit wenigen dürren Sätzen beschreibt der sonst so wortreiche Herodot den westlichen Maghreb. Atlas und Rif sind für ihn ein Gebirge, dessen Bewohner er in großer Fremdartigkeit schildert, so als wären sie nicht Anrainer der Mittelmeerwelt, sondern Völker aus den Tiefen des Kontinents. Auch heute noch sind die Bewohner der marokkanischen Bergwelt, besonders des Rifgebirges, verschlossen und Fremden gegenüber misstrauisch, abseits der wenigen Straßen beginnt die Herrschaft der Stämme. Für die archäologische Forschung hatte dieses zur Folge, dass der atlantische Küstenstreifen Marokkos und auch der saharische Süden besser bekannt sind. Andererseits ist das Rif, heute wie in vergangenen Zeiten, mit seiner langen Mittelmeerküste eine geografische Zone von großer Brisanz und Bedeutung für den Transfer von Gütern, Ideen und Menschen zwischen den beiden Kontinenten. Hier, im Schatten des Gebel al-Tarik, stößt auf kürzeste Distanz afrikanisches auf europäisches Kulturland. Wo, wenn nicht hier, müssen Beweise beiderseitigen Einflusses gesucht werden ? Die Fundstelle Ifri n’Ammar lag bis zu ihrer Entdeckung in einem jahrhundertelangen Dornröschenschlaf. In wegsamer Lage und weithin sichtbar als Öffnung in einer Felsrippe des Selloum-Gebirges, diente sie nur vorbeiziehenden Hirten als Unterschlupf, allenfalls nächtigten hier nach Ausweis der Oberflächenfunde Karawanen und Pilger auf dem Wege von der Moulouya zur Mittelmeerküste. Am Beginn der Grabung stand zunächst eine Enttäuschung. Unter rezentem Ziegendung fanden wir nicht das erhoffte Neolithikum, sondern sogleich Ablagerungen des späten Ibéromaurusien aus dem 9.-10. Jahrtausend v. Chr. Das hoch sechsstellige Fundaufkommen an Steinartefakten und die Faunenreste erlauben weit gehende statistische Aussagen, auch seltene Gerättypen und Tierarten sind erfassbar. In ungefähr 0,8 Metern Tiefe, versiegelt durch eine im späten 12. Jahrtausend v. Chr. entstandene Schicht, traten an der Felswand deutlich sichtbare Spuren von Malerei zutage. Eine Deutung erweist sich als schwierig, ebenso eine genaue Datierung. Auch in den zugehörigen Schichten fanden sich Hinweise auf Farbgebrauch. So dienten Muschelschalen und kleine Panzer von Schildkröten als Farbbehälter. Im Ibéromaurusien - Kontext fanden sich vier Kinderskelette und ein Erwachsener sowie eine ganze Reihe vereinzelter Knochenreste. Sie verteilen sich über einen Zeitraum von einigen tausend Jahren. Neben reichen Steingerätschaften fanden sich, ungewöhnlich in mittelpaläolithischem Kontext, auch Knochengeräte und erstmals Schmuck in Form durchbohrter Schnecken aus dem nahe gelegenen Mittelmeer. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2003.
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AiD-Lexikon:
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