Titelthema: Klosterforschung
Auf Adelsmauern gegründet
Text: Zsuzsanna Sándor-Pröschold M.A., Graduiertenkolleg Kunstwissenschaft-Bauforschung-Denkmalpflege, Otto-Friedrich-Uni Bamberg
Die Abtei Speinshart in der nordwestlichen Oberpfalz geht auf eine Adelsstiftung vermutlich um 1145 zurück und gehörte spätestens ab 1181 dem Prämonstratenserorden an, wobei wahrscheinlich das Tiroler Stift Wilten die ersten Chorherren entsandte. Heute präsentiert sich das Kloster mit Stiftskirche und Konvent im Zentrum, umgeben vom ausgedehnten Komplex der ehemaligen Ökonomie- und Verwaltungsgebäude, als weit gehend komplett erhaltenes barockes Ensemble. Der spätmittelalterliche Baubestand des Klosters Speinshart war bis zu den archäologischen Untersuchungen nur auf einer historischen Abbildung aus der Zeit um 1670 dokumentiert. Dank den Grabungen liegen nun umfassende Erkenntnisse sowohl über die Vor- und Frühgeschichte des Klosters, als auch über seine Baugestalt vor der barocken Neuanlage vor. So konnte etwa nachgewiesen werden, dass man das Prämonstratenserkloster Speinshart nicht wie bisher angenommen in der Einöde gründete, sondern sich die ersten Chorherren an der Stelle einer Adelsburg niederließen, die nur wenige Jahrzehnte vor der Stiftung errichtet, jedoch nie vollendet worden war. Zudem ist nun belegt, dass das Kloster Speinshart im Mittelalter eine komplexe und ständigem Wandel unterzogene Anlage war, die sich nach der Stiftung nur langsam entwickelte. Die langsame Bauentwicklung deutet ebenso wie die geborgenen Funde auf eher einfache Lebensumstände im mittelalterlichen Speinshart hin. Neben größtenteils grobgearbeiteter Gebrauchskeramik und einigen qualitätvolleren Stücken Tischgeschirrs fanden sich nur wenige exklusivere Ausstattungsgegenstände wie etwa ein Dreilagenkamm aus Bein oder ein bronzener Schreibgriffel. Aus allen Nutzungsphasen des Klosters konnten über hundert Bestattungen archäologisch erfasst werden. Sie belegen, dass sich nicht nur die Chorherren, sondern auch Bewohner der näheren Umgebung im Kloster bestatten ließen. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2003.
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