Titelthema: 150 Jahre Pfahlbauforschung
Aus dem Leben eines Pfahlbauers
Text: Dr. Gunter Schöbel, Direktor Pfahlbaumuseum Unteruhldingen.
Was wissen wir von den Bewohnern der Pfahlbauten, die uns in den etwa 300 bekannten Uferdörfern rund um die Alpen fast immer nur indirekt über die zurückgelassenen Zeugnisse begegnen? Da der Pfahlbauer selbst keine schriftlichen Quellen hinterlassen hat und zudem aussagekräftige Gräberfelder fehlen, liegt hier noch vieles im Dunkeln. Aus der Quellenlage umgebender Regionen und wenigen bildlichen Darstellungen lassen sich dennoch einige Details fassen. Viele in den Siedlungen entdeckten Gegenstände passen in die Gürtel- oder Hosentasche, vermutlich trugen die Menschen diese also ständig bei sich. Schwarz glänzende Poliersteine zählen ebenso dazu wie Miniaturen von Mond- oder Brotlaibidolen, die mit astronomisch anmutenden Punkt- und Strichzeichen versehen sind. Ein typisches »Notfallset« enthielt die Ausrüstung von Ötzi, dem Mann aus dem Eis. Es bestand aus einem einfachen Feuerzeug, einem Messer, ein wenig Birkenrinde für Beleuchtungszwecke und einem Stück Pilz zur medizinischen Wundversorgung. Hemden, Leggins, grobe Mäntel aus Lein und Lindenbast, Schuhe und Hüte - Fragmente aus der Jungsteinzeit überliefern das ganze Kleidungsspektrum. Enge Fadenzahlen lassen bereits feinstes Linnen erkennen. In der Bronzezeit ist neben einer wohl durchgängigen Leder- und Fellkleidung vermehrt wollene Mode mit Wickelröcken, Umhängen, Kleidern und Lederschuhen zu erschließen. An den Füßen trug man vor allem Sandalen, aber auch Schnabelschuhe sind belegt. Über den Speisezettel und die Essgewohnheiten der Pfahlbauer geben u.a. die häufig an den Scherben zerbrochener Töpfe anhaftenden verkohlten Krusten Aufschluss. Archäobotanische Analysen haben ergeben, dass es sich dabei um angebranntes Essen handelt. Selbst die genaue Zusammensetzung dieser Speisereste kann untersucht werden. Unterschiedlich verzierte Spinnwirtel und Töpfermarkierungen auf Keramikböden zeigen, dass jede Familie ihr Eigentum durch deutliche Merkmale kenntlich machte. So wurden in zwei benachbarten Häusern am Bieler See ähnliche Keramiksets mit jedoch gänzlich unterschiedlichen Verzierungsmustern gefunden. Es ist jedoch unklar, ob damit Familien-, Standes- oder Berufszusammenhänge hervorgehoben werden sollten. Auf klare Separierungen und den Wunsch nach Unterscheidung und Abgrenzung weisen auch Riegel und Schlösser sowie Ein- und Zweiraumwohnungen hin. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



