Titelthema: Endneolithikum / Frühbronzezeit
Ausbreitung neuer Machtsymbole
Text: Martin Furholt M.A., Professur für Vor- und Frühgeschichte, Otto-Friedrich-Universität, Bamberg
Die Kultur mit Schnurkeramik wurde von der Forschung lange Zeit als Ausdruck einer Invasion kriegerischer Reitervölker aus den Steppen Osteuropas betrachtet. Neuere Untersuchungen deuten aber nun auf ein ganz anderes Szenario. Die Schnurkeramik wird jetzt mit den in Mitteleuropa stattfindenden gesellschaftlichen Umwälzungen im 3. Jt. v. Chr. in Verbindung gebracht. Bemerkenswert f ür die Schnurkeramik ist die weiträumige Uniformität der Bestattungssitten. Die Toten wurden einzeln in West-Ost-Ausrichtung unter niedrigen Hügeln beigesetzt, streng nach Geschlecht getrennt, Männer auf ihrer rechten, Frauen auf der linken Seite liegend. Diese einheitlichen Regeln in einem Gebiet, das von den Niederlanden bis nach Russland, von der Schweiz bis nach Südschweden reicht, ließen schon früh an ein einwanderndes Volk denken, das in kürzester Zeit halb Europa unter seine Kontrolle brachte und die ursprüngliche Bevölkerung beherrschte. Die in vielen Gräbern als Beigabe vorhandene Streitaxt deutete auf eine kriegerische Gesinnung hin, und fehlende Siedlungen lassen eine sehr mobile, möglicherweise nomadisch lebende Bevölkerung vermuten. Zur Herkunft eines solchen hypothetischen »Schnurkeramischen Volkes« waren aber gerade wegen der formalen Einheitlichkeit seiner Hinterlassenschaften bislang kaum Aussagen möglich. Glücklicherweise hat es in den letzten Jahren - zumindest in Mitteleuropa - eine große Anzahl von Radiokarbondatierungen schnurkeramischer Gräber gegeben, die neues Licht auf diese Fragen werfen können. Um 2900 v. Chr. beginnt in weiten Teilen Mitteleuropas eine bestimmte, möglicherweise sozial definierte Gruppe, sich bewusst vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen, indem sie - und das ist der archäologisch sichtbare Teil der Abgrenzung - auf eine neue Weise bestattet, die das Individuum und den Unterschied zwischen Mann und Frau besonders betont. Gut 150 Jahre später werden die in Polen bereits üblichen Beigaben auch in den restlichen Gebieten Teil der schnurkeramischen Bestattungssitte, ein deutlicher Hinweis auf die den ganzen mitteleuropäischen Raum umfassende rege Kommunikation. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



