International: Ost-Sibirien

Begegnung mit der Steinzeit

Text: Ole Grøn, Oleg Kutsnetsow und Torunn Klokkernes, NIKU-Institut Oslo.

Die Öffnung des Eisernen Vorhangs hat es möglich gemacht, in bis dahin unzugänglichen Gebieten bei nomadisierenden Völkern vorzeitliche Lebensstile und Handlungsweisen zu beobachten. 1997 reisten die Autoren deshalb zu ethno-archäologischen Feldstudien in die nördliche Transbaikal-Region und besuchten hier den Volksstamm der Ewenken, dessen Lebens- und Arbeitsweisen deutliche Parallelen zu Kulturen der Altsteinzeit zeigt. Unter einer steinzeitlichen Siedlung verstehen Archäologen ein verhältnismäßig kleines Stück Land, wo die Bewohner ihre Unterkunft hatten und einen Großteil ihrer Ab­fälle hinterließen. Das Siedlungskonzept der Ewenken weicht radikal von solchen archäologischen Vorstellungen ab. Eine »Siedlung«, in der wir fünf Einwohner antrafen, erstreckte sich hier über einen halben Quadratkilometer. Ein interessanter Aspekt ist der Umgang mit »Abfällen« auf dem Siedlungsgelände. Uns fiel auf, dass zwar eine Unmenge alter Zeltringe, aber kaum Knochen auf den noch immer frequen­tierten Lagerplätzen herumlagen, obwohl im Lauf der Zeit hier viele wilde Rentiere verzehrt worden waren. Am Nitchaka-See konnten wir beobachten, wie Tierknochen nach kunstvollen Ritualen entsorgt wurden. Der dahinter stehende Grundgedanke ist, dass ein totes Tier mit Respekt behandelt werden muss, damit sich seine Seele wohl fühlt und die Umgebung, wo die Knochen verbleiben, annimmt. Dann ist die Seele auch geneigt, in derselben Gegend als neues Tier wieder geboren zu werden. Bei fast allen urzeitlichen Jägern und Sammlern lässt sich nachweisen, dass Sitz- und Schlafplätze in einer Wohnstätte meist streng geregelt nach Geschlecht, Al­ter und sozialem Status verteilt waren. Besonders interessant war es festzustellen, dass ein solches Verhalten auch bei einem heutigen Jäger-und-Sammler-Volk auszumachen ist. Durch unsere ethno-archäologischen Forschungen konnten wir nicht nur etwas über die Verteilung, Abgrenzung und Organisation von Wohnplätzen erfahren, sondern auch Arbeitsvorgänge, die bereits in prähistorischen Siedlungen eine Rolle spielten, in allen Einzelheiten beobachten. So erhielten wir Einblick in die traditionelle ewenkische Kürschnerei, die sich als komplexes und vielseitiges Handwerk entpuppte, bei dem neben Reiben und Wringen auch zahlreiche unterschiedliche Schabwerkzeuge und andere Geräte zum Einsatz kommen.(...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt