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Homo neanderthalensis

Von: Dr. Joachim Wahl
Namengebend für den H., im allgemeinen Sprachgebrauch als »Neandertaler« bezeichnet, sind Skelettreste eines älteren Mannes, die im August 1856 in der »Kleinen Feldhofer Grotte« im Neandertal nahe Düsseldorf gefunden wurden.

Zunächst heftig umstritten, wurden sie erst Jahrzehnte später als Vertreter einer eigenständigen Menschenform anerkannt. Berühmte Fundstellen sind z.B. La Chapelle-aux-Saints und La Ferrassie in Frankreich, Spy in Belgien, Krapina in Kroatien oder Shanidar im Irak. Die Neandertaler existierten etwa 200 000 Jahre, ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich über Europa und den Nahen Osten. Vor rund 30 000 Jahren verschwanden sie, nachdem sie ihren Lebensraum etwa 10 000 Jahre mit dem anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) geteilt hatten. Man unterscheidet grazilere Typen aus Kleinasien von robusteren, auch klassische Neandertaler genannten, im Westen. Mit über 300 Funden sind sie heute die am besten dokumentierte Hominidenart. H. hebt sich durch eine Reihe anatomischer Unterschiede vom modernen Menschen ab. Dazu zählen u.a. eine höhere Schädelkapazität (um 1400–1500 cm3), massige und stärker gekrümmte Extremitätenknochen mit ausgeprägten Muskelansatzstellen, kräftigere und größere Hände und Füße, ein breit ausladender Brustkorb und charakteristische Schädelmerkmale wie eine stark fliehende Stirn, einen massiven Brauenwulst, große Ansatzflächen für die Nackenmuskulatur, fliehendes Kinn sowie eine voluminöse Nasenöffnung, die zwar häufig als kälteadaptives Merkmal gedeutet wird, aber ebenso bei den vorderasiatischen Vertretern zu beobachten ist. Der typische Neandertaler war kleinwüchsig, muskulös, von gedrungener Gestalt und zwischen 1,55 und 1,65 m groß. Der Neandertaler gilt als der erste Hominide, der nachweislich seine Toten bestattete. Ob er vom anatomisch modernen Menschen verdrängt oder assimiliert wurde, ist bis heute ungeklärt. Früher wurde er in den Stammbäumen zeitweise im Rang einer Subspezies als Homo sapiens neanderthalensis geführt.

Buchrezension:
Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland

Darmstadt: Theiss-Verlag 2014, 336 S., 420 farb. Abb., 29,95 Euro


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