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Ethnogenese

Von: Joachim Wahl
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von Ethnologen, Sprachwissenschaftlern, Archäologen und Anthropologen mit mehr oder weniger stark abweichenden Akzenten umschriebene Entstehungsgeschichte eines Volkes.

Als Teilgebiet der regionalen Völkerkunde stehen insbesondere Fragen des Ursprungs eines Volkes sowie seiner Verwandtschaftsbeziehungen mit anderen Völkern im Vordergrund. Die Ethnohistorie beschäftigt sich dabei speziell mit schriftlichem Quellenmaterial. Kriterien für die Begriffsbestimmung eines Ethnos oder Volkes sind u.a. gemeinsame Symbole, Sprache, Mythologie, Wertesystem, äußere Erkennungsmerkmale und ein ausgeprägtes Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, das besonders in Situationen des Gruppenkonflikts eine deutliche Grenzziehung ermöglicht. Diese können sich infolge länger andauernder Isolation einer (Teil-)Population entwickeln. Andere Parameter, die bei der Entstehung eines Volkes eine Rolle spielen, sind ein eigenes geografisches Territorium, prägende Einflüsse durch Klima, ökologische Gegebenheiten, ein gemeinsames Schicksal oder ein legendärer Ursprung einer auserwählten Gruppe von Menschen. Auch aus der Verschmelzung zweier oder mehrerer Völker mit vormals distinkten Kulturen kann ein neues Volk hervorgehen. Je weiter der Blick in die Prähistorie zurück reicht, desto problematischer wird die Zuordnung archäologischer Fundkomplexe mit bestimmten sprachlichen und ethnischen Gruppierungen. Auch homogen erscheinende Kulturprovinzen müssen nicht mit einheitlichen Volksstämmen einhergehen.

Buchrezension:
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