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Hacksilber

Von: Dr. Martin Baumeister
Als H. wird eine Kategorie von Edelmetallfunden bezeichnet, die sich aus kleinteiligen, meist zerbrochenen oder zerstückelten Objekten aus Silber zusammensetzt. Solche H.-Horte kommen in Kulturen vor, die Edelmetall als Tauschwährung benutzen.

Da das abgewogene Metallgewicht als Werteinheit dient, werden Objekte unabhängig von ihrem evtl. vorhandenen künstlerischen Wert, im Bedarfsfall zerteilt, um wirtschaftlich handhabbares »Kleingeld« zu erhalten. Hinzu kommen oft ohnehin kleinteilige Objekte wie (importierte) Münzen, aber auch Verarbeitungsreste. Diese Art von Wirtschaft machte die Benutzung von Feinwaagen notwendig. H.-Horte kommen vereinzelt in unterschiedlichen archäologischen Zusammenhängen vor, es gibt aber auch deutliche Schwerpunkte. Dazu gehört der markante H.-Horizont, der sich im Frühen Mittelalter zwischen den Skandinavischen Gebieten und dem Raum südlich der Ostsee abzeichnet. Nachdem hier in der Völkerwanderungszeit noch eine Vorliebe für Gold festzustellen ist, setzte sich Silber als gesellschaftliches Austauschmedium durch. Aufgrund eines massiven Zuflusses von (wegen ihrer Größe meist zerhackten) islamischen Silbermünzen lassen sich in den H.-Horten des 9.–10. Jh. die weitreichenden Beziehungen zwischen Wikingern, Slawen und dem Kalifat nachweisen. Der Schwerpunkt verlagert sich dann im 11. Jh. hin zu Münzen aus England und dem Ostfränkisch/Deutschen Reich, bevor H. dann allmählich durch die sich ausbreitende Münzwirtschaft verdrängt wird.

Buchrezension:
Ein Traum von Rom. Stadtleben im römischen Deutschland

Darmstadt: Theiss-Verlag 2014, 336 S., 420 farb. Abb., 29,95 Euro


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