Titelthema: 20 Jahre AiD
Blick aus der Vogelperspektive
Text: Dr. Ralf Schwarz, Luftbildarchäologe am Landesamt für Archäologie, Halle (Saale).
Die besondere Stärke der Luftbildprospektion besteht darin, dass mit ihrer Hilfe die genaue Lage einer Fundstelle, deren Ausdehnung sowie die Position einzelner Befunde dokumentiert werden kann. Deshalb dienen entzerrte Luftbilder mitunter als Grundlage für Ausgrabungen. Darüber hinaus können sie aber auch bei der Rekonstruktion von Siedlungslandschaften wichtige Dienste leisten, eine in Deutschland leider weit gehend vernachlässigte Komponente. In Großbritannien beispielsweise werden anhand entzerrter Luftbildpläne für einzelne vor- und frühgeschichtliche Perioden Siedlungskarten erarbeitet, die neben befestigten und offenen Siedlungen sowie Gräberfeldern auch weitere Komponenten einer Kulturlandschaft wie Ackerfluren, Weideflächen, Wege und Straßen abbilden. Ähnliches Potenzial bieten die großflächigen Getreidefelder Sachsen-Anhalts. Sie gestatten eine uneingeschränkte Betrachtung weiträumiger Siedlungslandschaften, die in dieser Ausdehnung bisher nicht bekannt waren. So konnten etwa 10 bis 25 ha große Erdwerke der älteren Trichterbecherkultur oder mittelalterliche Wüstungen mit angrenzenden Fluren vollständig ermittelt werden. Allerdings überschneiden sich in dicht und kontinuierlich besiedelten Gebieten die Siedlungsspuren derart, dass eine Stratifizierung der Befunde schwer fällt. Einige Siedlungsstrukturen wie etwa Häuser der Linien- und Stichbandkeramik besitzen Charakteristika, die eine chronologisch wie kulturell exakte Zuordnung auch der damit verbundenen Erdwerke erlauben. Dies gilt ebenso für früh- und spätbronzezeitliche Häuser, so weit sich solche innerhalb der Siedlungen identifizieren lassen. Auch durch den Einzug der Grubenhäuser in das Siedlungswesen am Ende der frühen Eisenzeit lässt sich ein chronologisches Indiz gewinnen. Neben Siedlungen und Gräberfeldern lassen sich mit Luftbildern auch weitere Komponenten einer Siedlungslandschaft erfassen. Dazu zählen vor allem lineare Grabenstrukturen, die als Begrenzung von Siedlungs- und Wirtschaftsflächen dienten. Früheste Beispiele stammen aus der Stichbandkeramik. Während der Spätbronze- und Früheisenzeit, als man die Fluren durch weitmaschige Grabennetze zu begrenzen suchte, kam es zu einer regelrechten Parzellierung der Landschaft. Besonderes Kennzeichen dieser Zeit sind Gräben, die sich aus dicht aneinander gesetzten rechteckigen Gruben zusammensetzen und deshalb auch Grubenreihen (pit alignments) genannt werden. Bereits in der späten Eisenzeit wurden die Parzellen feinmaschiger, und es entstanden erste Blockfluren, die sich in dieser Form bis in das frühe Mittelalter hielten. Kennzeichen des Hochmittelalters ist das parallelstreifige Ackersystem (Wölbäcker), das in einzelnen Landschaften bis in das 20. Jh. überlebt hat. Diese Einzelnen, zunächst isoliert betrachteten Komponenten einer Siedlungslandschaft stehen miteinander in Beziehung und fügen sich zu einem Bild zusammen, das in Zukunft nach britischem Vorbild Stück für Stück ergänzt werden kann. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



