Titelthema: Spiele
Dem »Homo ludens« auf der Spur
Text: Dr. Dirk Krausse, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Esslingen.
Sicherlich kann bedenkenlos vorausgesetzt werden, dass Kinder in allen prähistorischen Epochen Spielzeug hatten. Dennoch fällt auch hier der Nachweis schwer: Denn in vormodernen Kulturen dürften zumeist alltägliche Gegenstände zum Spielen verwendet worden sein. Und selbst wenn es speziell für diesen Zweck hergestellte Spielzeuge gab, so bestanden diese vermutlich überwiegend aus leicht verfügbaren organischen und damit nur in Ausnahmefällen nachweisbaren Materialien, insbesondere Holz. Die meisten halbwegs eindeutig zu identifizierenden prähistorischen Spielzeugfunde stammen aus Seeufersiedlungen mit Holzerhaltung wie etwa den neolithischen Siedlungen der Schweiz. Hier wurden vereinzelt grob geschnitzte »Püppchen« und »Puppengeschirre«, kleine, für Kinderhände bestimmte Beilholme, Miniaturbögen oder geschnitzte Spielzeugschiffchen gefunden. Die ältesten nachgewiesenen Spiele im engeren Sinn des Wortes, also Gruppenspiele, die durch Vorschriften geregelt waren, dienten offensichtlich dem Zeitvertreib von Erwachsenen. Brettspiele sind vereinzelt seit dem ausgehenden 5. Jt. v. Chr. aus Bergwerken, Siedlungen und Gräbern Vorderasiens und Ägyptens belegt. Welch hoch entwickelte Spielkultur sich insbesondere in der sozialen Elite Vorderasiens und Ägyptens seit dem 3. Jt. entwickelte, zeigen die berühmten Spielbretter und Spieltische aus den Königsgräbern von Ur oder aus dem Grab Tutanchamuns. Ähnlich spektakuläre und eindeutige Befunde fehlen zwar aus dem prähistorischen Mitteleuropa, aber auch hier sind Phänomene wie Spiel, sportlicher Wettkampf und andere Vergnügungen besonders in der sozialen Elite massiv fassbar. Festzuhalten bleibt, dass sich komplexe Spiele, insbesondere Bewegungs- und Wettkampfspiele (Sport) für das prähistorische Mitteleuropa erst ab der Eisenzeit nachweisen lassen. Das Thema Spiel führt eindringlich vor Augen, wie eingeschränkt unser Blickwinkel auf die prähistorischen Gesellschaften ist. Die Prähistorische Archäologie hat keine Probleme in ihren Quellen »Homo Faber«, »Homo oeconomicus« oder auch den tötenden Menschen, »Homo necans«, zu identifizieren. Beim »Homo ludens« tut sie sich dagegen schwer. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



