Denkmal: Augusta Raurica
Römerstadt am Rheinknie
Text: Dr. Rainer Redies, Verlagsautor, Stuttgart.
Kurz vor der Zeitenwende im Stammesgebiet der Rauriker gegründet, war Augusta Raurica jahrhundertelang wichtigster Handels- und Verkehrsplatz am Oberrhein. Generationen von Forschern haben ermittelt, wie man sich das Leben in der römischen Kolonie am Rheinknie vorzustellen hat. Ruinen, Rekonstruktionen und vielerlei Funde vermitteln dem Besucher ein anschauliches Bild von Alltag und Kult in einer antiken Stadt. Die Führung im weitläufigen Gelände übernimmt ein Schildersystem, das die Bezeichnung minutiös im Wortsinne verdient: »Basilika zwei Minuten, Curia drei Minuten« liest man etwa und bekommt mit Pfeilen die Richtung gewiesen. Beim jeweiligen Denkmal helfen dann Texte und Bilder, aus Ruinen eine genaue Vorstellung zu erschließen. Von den Sitzstufen der antiken Open-Air-Anlage blickt der Besucher auf den Schönbühltempel, dessen Podium die beeindruckende Größe des untergegangenen Heiligtums ahnen lässt. 1140 Kubikmeter Kalkbruchsteine stecken allein in diesem Fundament. 1937 kam ein Schlüssel von nicht weniger als 1,5 Kilo zutage, mit dem sich vermutlich die monumentale Tür des Podiumstempels verschließen ließ. Die so genannte Zentraltherme von Kaiseraugst ist nur noch als sanfter Hügel im Gelände zu erkennen. Ihre Rekonstruktion macht aber deutlich, dass die Bezeichnung Palast keine Übertreibung ist. Welche moderne Stadt kann von sich behaupten, dass ihr Zentrum mit dem geometrischen Mittelpunkt identisch ist? In Augusta Raurica bildet ein dem Kaiserkult gewidmeter Altar diesen »Nabel«. Genau an seinem Standort liefen im rechten Winkel die Hauptlinien der Stadtvermessung aufeinander zu. Mit weiß gestrichenen Baumstämmen ist der zum Altar gehörige Tempel angedeutet. Blickt man, die nachgestellte Tempelfassade im Rücken, vom Altar in die andere Richtung, so überschaut man das Forum, eine mit Kirschbäumen bestandene Wiese, die dereinst Marktplatz und so etwas wie die Hauptbühne des städtischen Geschehens war. Von der Basilika, die diesen Platz als Querriegel nach Osten hin abschloss, blieb eine mächtige, das hier steil abfallende Gelände sichernde Stützmauer erhalten. Sie lässt etwas von der Großartigkeit dieses Gebäudes ahnen. An die nordöstliche Längsseite der Basilika war die Curia angefügt. Bedeutende Teile dieses Rundbaus blieben erhalten, sodass er rekonstruiert werden konnte. Hier kam der Stadtrat zusammen, den Vorsitz hatten zwei von den Gemeindebürgern gewählte Bürgermeister, 100 von ihnen berufene Decurionen saßen im Halbkreis ringsum und beratschlagten, was zum Wohl des Gemeinwesens geschehen sollte. Eine Etage tiefer, im Untergeschoss der Curia kann man die erste Bauphase dieses öffentlichen Gebäudes studieren. Dort steht auch ein Modell der antiken Stadt. Es schließt die Lücken, die auch die lebhafteste Fantasie zwischen den einzelnen Denkmälern nicht auszufüllen vermag. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



