Titelthema: Salz
Die Salzsieder vom Seilletal
Text: Dr. Laurent Olivier, Conservateur du Département des Ages du Fer, Musée des Antiquités nationales, Saint-Germain-en-Laye
In erster Linie gelten Spuren des Briquetage überall dort als Zeugnisse frühgeschichtlicher Salzproduktion, wo sich Scherben von Siedeöfen und Formgefäße aus Keramik häufen wie an der Atlantik- und Nordseeküste, vor allem in Aquitaine und der Bretagne. Sie stammen aus einer Vielzahl kleiner Werkstätten, deren produktivste Phase in die Frühe Eisenzeit fällt. Die bedeutendsten Briquetage-Halden finden sich im Seille-Tal, sie erreichen dort bis zu 12 Metern Höhe und weisen ein Gesamtvolumen von über 4 Millionen Kubikmetern auf. Diese intensive Salzgewinnung von wahrhaft »proto-industriellem« Charakter lässt sich über die gesamte Eisenzeit hinweg verfolgen. Im Jahr 2001 startete die Eisenzeit-Abteilung des Musée des Antiquités nationales in Saint-Germain-en-Laye ein Programm zur archäologischen Erkundung des Seille-Tals. Dabei sollten am Oberlauf der Seille die langfristigen Auswirkungen der Salzproduktion sowohl auf die natürliche Umwelt als auch auf die Siedlergemeinschaften im 1. Jt. v. Chr. untersucht werden. Geophysikalische Prospektionen ermöglichen einen genaueren Einblick in die Werkstätten der Salzsieder. Dabei ergab sich eine erstaunliche Konzentration von aneinander gereihten Siedeöfen: Ein Ballungsgebiet, das sich über mehrere hundert Meter erstreckt, dessen gesamtes Ausmaß aber noch nicht genau festgestellt werden konnte. Systematisch wurde den Briquetage-Vorkommen von Marsal eine Serie von Bodenproben entnommen; dadurch lassen sich sowohl Alter als auch Eigenschaften der zugehörigen technischen Abfälle bestimmen. Erstaunlicherweise fanden sich in den Briquetage-Haufen der Frühen Eisenzeit Überreste kostbarer Materialien, die zusammen mit Haushaltsabfällen wie tierischen Überresten und Siedlungskeramik weggeworfen wurden: So entdeckte man mehrere rote Korallenäste im Rohzustand, die offenbar aus dem Mittelmeergebiet importiert worden waren, um sie vor Ort zu verarbeiten. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2003.
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