Spektrum: Mann aus Ton
Ein 7000 Jahre altes Fruchtbarkeitssymbol?
Text: H. Stäuble/L. Steguweit
Der erste linienbandkeramische Mann kommt aus der nordwestlichsten Ecke Sachsens, rund 23 km Luftlinie vom Leipziger Stadtzentrum entfernt, von einer Fundstelle bei Zschernitz (Lkr. Delitzsch). Das acht Zentimeter hohe vollplastische Fragment einer einst vermutlich gut 25 Zentimeter großen Tonfigur ist vom Nabel bis über die Ansätze der Oberschenkel erhalten. Die Brüche sind alt, ebenso die Abplatzung der noch vorhandenen linken Pobacke. Vollständig erhalten und eindeutig sind die männlichen Geschlechtsteile, die aber im Verhältnis zur Taille übergroß dargestellt wurden. Nur das sehr naturalistisch geformte Gesäß ist mit eingeritzten Linien verziert, die nachträglich etwas verstrichen wurden. Da sich die Verzierung auf das Hinterteil beschränkt und nicht die typisch schematische Darstellungsart zeigt, die auf einen Rock bzw. Lendenschurz hinweist, werden die eingeritzten Linien wohl eine Bemalung oder Tätowierung repräsentieren. Der Torso wurde auf 5000 bis 4900 vor Christus datiert und ist damit die älteste männliche Tonfigur Mitteleuropas. Insgesamt hebt sich der »Adonis von Zschernitz«, der in Anlehnung und als Kontrast zur stichbandkeramischen »Venus von Zauschwitz« (Lkr. Leipziger Land) so benannt wurde, nicht nur durch die bislang einmalige explizite Darstellung des männlichen Geschlechts hervor, sondern vor allem auch durch die anatomisch präzise Wiedergabe des menschlichen Abbilds. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



