Titelthema: Klosterforschung
Ein Damenstift der Karolinger- und Ottonenzeit
Text: Dr. Eleonore Wintergerst M.A., Ebersberg
Das Stadtbild von Regensburg wird bis heute durch den Umriss des 179 n. Chr. fertig gestellten Legionslagers Castra Regina geprägt. In seiner Nordostecke entstand im frühen Mittelalter das adelige Damenstift Niedermünster. Grabungen im ehemaligen Kreuzgang dieser Klosteranlage konnten wichtige Hinweise zur frühesten Stiftsentwicklung und zum Übergang von der Spätantike zum frühen Mittelalter liefern. An einer Stelle wurden verbrannte Lehmschollen gefunden, deren gerade Kanten auf Lehmziegel hindeuten. Der darüber liegende Horizont zeigt in Teilbereichen einen etwa 10 cm starken rosarot gefärbten Estrich, der auf karolingische Bebauung hinweist. Dieser Estrich stößt an zwei grabungsbedingt nur in kleinen Teilen erfasste Mauern, die mit einem Abstand von 9,6 m in nordsüdlicher Richtung verlaufen. Verlängert man diese nach Süden, so liegen sie in einer Flucht mit zwei Mauerresten im südlichen Kreuzgangflügel. Dies weist auf einen lang gestreckten Raum von mindestens 28,5 m Länge hin, der im Norden direkt an die Kirche anschloss. Obwohl sich östlich und westlich dieses lang gestreckten Baus in der Grabungsfläche unbebaute Zonen nachweisen ließen, erstreckte sich der karolingische Stiftsbezirk wohl bereits im 9. Jh. noch weiter nach Osten; so wurde ein unter anderem aus römischen Spolien errichteter Brunnen zur Bestandszeit der karolingischen Anlage benutzt. Im Zuge der Umstrukturierung des Geländes unter Herzogin Judith wurden diese Flächen und Vorgängeranlagen überbaut. Das Stift erhielt nun einen Kreuzgang, dessen Baufluchten sich im heute noch bestehenden Südflügel widerspiegeln. Die Ausgrabungen im Kreuzgang des Niedermünsters zeigten, dass das bedeutende Damenstift sowohl in der Karolinger- wie auch der Ottonenzeit die ganze Nordostecke des ehemaligen Legionslagers östlich des Domes einnahm. Bauliche Veränderungen während der Romanik und Gotik, die sich nur in der Bausubstanz und nicht mehr in archäologischen Schichten ablesen lassen, veränderten bis zum Umbau der Konventsgebäude 1710 den ottonischen Grundriss nicht. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2003.
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