Forschung: Hambacher Forst

Ein Zentrum spätrömischer Glasherstellung

Text: Dr. Wolfgang Gaitzsch, Wissenschaftlicher Referent, Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege, Außenstelle Titz.

Bei großräumigen Siedlungsgrabungen im Braunkohlentagebau Hambach wurden Ende der 70er-Jahre zahlreiche Glashütten und Glasöfen entdeckt, die auf eine ausgedehnte Produktionsstätte spätantiker Glasherstellung außerhalb von Köln, dem niedergermanischen Zentrum antiker Glasproduktion, hinwiesen. Weitere Grabungskampagnen und umfangreiche Forschungen konnten sowohl Aufschluss zu den Arbeitsprozessen in den Glasöfen als auch zu den Besonderheiten der Glasprodukte liefern. Je nach Größe der Grabungsfläche und Befunderhaltung konnten unterschiedlich viele Glasöfen in den Siedlungen freigelegt werden. Die größte Glashütte mit den Überresten von 13 Öfen wurde in einem 30 m x 40 m großen Areal der Villa rustica Hambach 132 aufgedeckt. Als Werkstatt fungierte ein 8 m x 14 m großer, als offene Halle konzipierter Pfosten- bzw. Ständerbau. Die Glasöfen standen mit Arbeits- und Abfallgruben in Verbindung, aus denen der größte Teil des gläsernen Fundmaterials stammt. Anhand der erhaltenen Ofenresten lässt sich der gesamte Arbeitsprozess von der Herstellung des Rohglases über seine Verarbeitung bis hin zum Abkühlen der fertigen Glasgefäße rekonstruieren. Am häufigsten finden sich Öfen mit rund bis birnenförmigen Grundrissen und charakteristischer intensiver Rotfärbung des anstehenden Lösslehms. Zahlreiche und vielfältige Glasfunde liegen aus Arbeits- und Abfallgruben vor. Drei Kategorien sind dabei zu unterscheiden: Aus den Häfen ausgebrochenes kleinteiliges, kantiges Rohglas, Fabrikations- sowie Produktionsabfall. Während Letzterer aus Gefäßscherben und Verzierungselementen wie Fadenauflagen und Nuppen besteht, dokumentiert der Fabrikationsabfall die Verarbeitung des Glases, also die Tätigkeit der Glasbläser. Wichtigstes Ergebnis der an der Universität Göttingen durchgeführten chemischen Untersuchungen ist, dass im Hambacher Revier Rohglas hergestellt wurde. Der Standort der Hambacher Glashütten wurde durch die geologische und topografische Situation bestimmt. Günstig war die Nähe zu den Rohstoffen wie etwa dem als Brennmaterial benötigten Holz und die verkehrsmäßige Anbindung an die antike Fernstraße, also zu den Absatzmärkten in Jülich und Köln. Die Produktion der Hambacher Hütten setzte in der Mitte des 4. Jh. ein und hielt bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts an, ohne dass die Produktionsdauer der einzelnen Hütten z. Zt. genauer gefasst werden kann. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2003.

 

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