Fenster Europa: Burgund
Auf den Spuren paläolithischer Jäger und Sammler
Text: Dr. Harald Floss, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
Der zweifellos bekannteste altsteinzeitliche Fundplatz Burgunds ist der westlich von Mâcon gelegene Felsen von Solutré. Wie ein Keil steht dieses fossile Korallenriff in den umgebenden Weinbergen des Pouilly-Fuissé, zum Verwechseln ähnlich seinem nur wenige Kilometer entfernten Zwillingsbruder, dem Felsen von Vergisson. Seit der Pionierphase der Urgeschichtsforschung in der Mitte des 19. Jh. bekannt, wurde Solutré namensgebend für eine Kultur der jüngeren Phase der Altsteinzeit, dem ca. 22.000 - 17.000 Jahre alten Solutréen. Zur Legende wurde das Bild der Pferde, die von prähistorischen Jägern auf die Felsspitze getrieben wurden und in die Tiefe stürzten. Folgt man der vermeintlichen Route der Tierherden nach Osten bis in das Saônetal, so trifft man auf Varennes-lès-Mâcon, ein ehemals malerisches Fischerdorf, das heute mehr und mehr im Dschungel der Vororte und Gewerbegebiete Mâcons unterzugehen droht. Hier ließen sich an der Mündung der Petite Grosne in die Saône vor ca. 11000 Jahren späteiszeitliche Sammler und Jäger nieder. Sie hinterließen mehr als 200000 Funde, was Varennes zu einer der reichsten Fundstellen dieser Zeit in Europa macht. Der Dritte im Bunde der bekannten altsteinzeitlichen Fundpunkte im Süden Burgunds ist das bei Cluny inmitten der Weinberge des Mâconnais gelegene Azé. Hier finden sich seit der Zeit des Homo erectus bis in das Mittelalter immer wieder besiedelte Höhlen, in denen eindrucksvolle Reste eiszeitlicher Säugetiere, vor allem von Höhlenbären und Höhlenlöwen, gefunden wurden. Vor etwa 25000 Jahren hat sich hier an den Ufern eines heute Mouge genannten Baches eine altsteinzeitliche Gruppe niedergelassen. Die Liste bedeutender altsteinzeitlicher Fundstellen in Burgund ließe sich beliebig erweitern, etwa durch das bei Digoin gelegene Volgu, wo ein Depot von ca. 20000 Jahre alten Blattspitzen des Solutréen gefunden wurde. Die im Musée Dénon in Chalon-sur-Saône ausgestellten, bis zu 40 cm großen, minutiös bearbeiteten hauchdünnen Spitzen zählen bis heute zu den eindrucksvollsten Steingeräten des gesamten europäischen Paläolithikums. Und in Genay bei Dijon wurden zahlreiche Knochenreste des Neandertalers gefunden. Kurz - Burgund ist eine Region, die über ein hohes archäologisches Potenzial verfügt, auch und insbesondere in Bezug auf die ältesten Phasen der Menschheitsgeschichte. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2003.
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AiD-Lexikon:
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