Fenster Europa: Dänemark
Rentierjäger des Nordens
Text: Jorgen Holm M.A., Nationalmuseum Kopenhagen
Seit dem Erscheinen von Alfred Rusts epochemachenden Untersuchungen über die in den 30er-Jahren im Norden von Hamburg bei Ahrensburg entdeckten altsteinzeitlichen Rentierjägerlager haben sich auch dänische Archäologen in ihrem Heimatland auf die Suche nach dieser so genannten Hamburger Kultur gemacht, die etwa in die Zeit von 13000 bis 10000 v. Chr. datiert. Trotz zahlreicher Hinweise konnten konkrete Spuren aber erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgedeckt werden. So führten Archäologen des Museums von Haderslev auf einer hoch über dem Jelstal in Südjütland gelegenen Sandterrasse zwischen 1981 und 84 Grabungen durch und entdeckten dabei zwei Siedlungen, Jels 1 und Jels 2. Sie gehören beide zur so genannten Havelte-Gruppe und können mit ziemlicher Sicherheit der ca. 14000 Jahre zurückliegenden jüngeren Hamburger Kultur zugeordnet werden. 1985 stellte sich dann heraus, dass ein seit 1962 unbeachtet im Magazin des Museums von Haderslev aufbewahrtes Feuerstein-Fundstück ebenfalls der Hamburger Kultur zuzurechnen ist. Es stammt aus Slotseng, das nur fünf bis sechs Kilometer südöstlich der Jels-Siedlungen liegt und mit diesen direkt über ein Tal verbunden ist. Umfangreiche Forschungsgrabungen in den Jahren 1990-93 ergaben, dass auf einer hoch gelegenen Sandterrasse mit weitem Blick über das Umland eine kleine Häufung von spätpaläolithischen Siedlungen lag, von denen zwei zur Havelte-Gruppe der Hamburger Kultur und zwei zur frühen Wehlen-Phase der Hamburger Kultur gehörten. Im Jahre 2000 konnte dann eine größere Untersuchung in dem stattfinden, was sich als kreisrundes, so genanntes »Toteisloch« von 25 m Durchmesser erweisen sollte. Das fünf Meter hoch erstellte Querprofil zeigte eine selten perfekte Stratigrafie, die sich vom Meiendorf-Interstadial bis weit in die postglaciale Zeit hinein erstreckte. Dank guter Konservierungsbedingungen hat sich zahlreiches organisches Material wie etwa Pollen, Zweige, Äste, Insekten, Knochen und bearbeitete Rentiersprossen erhalten. Als Fundhighlight könnte sich möglicherweise ein kleines Stück Basalt erweisen, das offensichtlich bearbeitet worden ist. Nach der vorläufigen geologischen Einschätzung stammt es nicht aus Skandinavien, sondern eher aus Zentraleuropa, möglicherweise aus dem Rheingebiet. Sollte sich diese Annahme im Rahmen einer derzeit laufenden genauen Analyse bestätigen, dann stehen wir hier vor einem faszinierenden Beweis für ausgedehnte südliche Verbindungen bereits vor 14 bis 15000 Jahren.(...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2003.
Diese Ausgabe ist nicht mehr erhältlich
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AiD-Lexikon:
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