Fenster Europa: Elsass
Wie alt ist die Heidenmauer vom Odilienberg?
Text: Frédérik Letterlé, Conservateur régional de l’archéologie, Drac Alsace, Strassburg
Die Besiedelung des am Ostrand der Vogesen gelegenen Odilienberg reicht nach dem Fundspektrum bis in die neolithische Zeit zurück. Funde, die dies belegen, stammen hauptsächlich aus dem Gebiet Hohenburg, wo im Frühmittelalter das St. Odilien-Kloster errichtet wurde, die übrige Hochebene weist nur geringfügige Siedlungsspuren auf. Der 764 m hohe Berg ist auf einer Fläche von insgesamt 120 Hektar mit einem etwa 1,5 m breiten Befestigungsring umgeben, dessen Alter bislang ungeklärt ist. Die zahlreichen Datierungsvorschläge reichen von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Merowingerzeit. Vorhandene archäologische Spuren aus jenen Zeiten haben jedoch keinen eindeutigen Bezug zum Mauerbau, darüber hinaus unterscheidet sich die Mauerkonstruktion aus großen, ohne Füllsteine und Mörtel nur mit Holzzapfen verfugten Sandsteinblöcken völlig von der herkömmlichen gallischen Bauweise wie auch von der antiken Technik beim Bau von Befestigungsanlagen. Somit gibt es bis heute keine fundierten Belege für eine schlüssige zeitliche Einordnung des Bauwerks. Vor kurzem sind jedoch neue Beweismittel aufgetaucht: Ein Satz von 65 Holzklammern, die ein Gelehrter in den Jahren 1873-1875 auf der Nordwestflanke des Berges aus der Mauer entfernt hatte, wurde den landesgeschichtlichen Behörden im Elsass zurückgegeben. Eine größere Anzahl davon war noch in das Originalpapier eingewickelt, datiert und mit genauer Angabe der Fundstellen versehen. Eine Holzanalyse ergab, dass alle Zapfen aus Eichenholz geschnitten sind. Die engen Abstände der Jahresringe lassen auf alten Baumbestand aus einem dichten Wald schließen, der sich vermutlich in Höhenlage auf den Ausläufern der Vogesen befand. Einige Zapfen weisen bis zu 112 Jahresringe auf, was eine Reihe sicherer Datierungen mithilfe der Dendrochronologie ermöglichte. Bis heute konnten auf diese Weise 18 Zapfen zweifelsfrei in das letzte Viertel des 7. oder des beginnenden 8. Jh. datiert werden. Zur Absicherung durchgeführte Radiokarbon- und C-14-Untersuchungen bestätigten das Ergebnis. Zahlreiche erkennbare Ausbesserungsmaßnahmen an der Mauer zeugen von einer langen Nutzungsdauer, was auch dafür sprechen könnte, dass die ermittelten Datierungen nur eine wichtige Phase der Mauerrestaurierung anzeigen. Zur Klärung dieser Fragen beschäftigt sich jetzt eine deutsch-französische Expertengruppe mit der Auswertung aller historischen und archäologischen Befunde. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2003.
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