Fenster Europa: Estland
Wo die Sonne vom Himmel fiel
Text: Ants Kraut, Nationaler Denkmalrat, Tallin.
Eine Festung aus der Bronzezeit und ein eisenzeitlicher Opferplatz am Rande eines Kraters: Der letzte riesige Meteorit, der in einer bewohnten Region Europas einschlug, hinterließ deutliche Spuren in der Archäologie, aber auch in der Erzähltradition Estlands. Welchen Einfluss diese Naturkatastrophe auf die Entwicklung einer prähistorischen Kulturlandschaft hatte, wird in Kaali auf der Insel Saaremaa immer besser erkennbar. Mehrjährige Untersuchungen durch den estnischen Forscher Vello Lougas vom Institut für Geschichte aus Tallinn haben Ende der 1970er-Jahre gezeigt, dass während der späten Bronzezeit ein befestigter Siedlungsplatz mit halbrunder Grundfläche auf dem durch den Aufschlag aufgeworfenen Erdwall, der den Hauptkrater umgibt, errichtet wurde. Die steile Innenwand begrenzte die Siedlung auf einer Seite, den Rest umgab man mit einem 110 m langen Wall. Auf dessen Innenseite konnten die Überbleibsel von mindestens zwei rechteckigen Gebäuden freigelegt werden. Eine Brandschicht beiderseits des Walls deutet auf eine hölzerne Konstruktion hin, die später durch Feuereinwirkung zerstört wurde. Die »Festung« von Kaali besaß eine religiöse und kultische Funktion. Frühe Schriftquellen und die alte Erzähltradition Estlands und seiner Nachbarländer beschreiben die Entstehung des Platzes. Nach den Schriftquellen verehrte die lokale Bevölkerung in historischer Zeit diesen See als »heiligen Ort«. Sicher ist, dass der Platz für Opferhandlungen am Wasser genutzt wurde. Die 6 m mächtigen Bodensedimente des »Kaali-Sees« harren bis heute ihrer archäologischen Untersuchung ... (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



