Fenster Europa: Kroatien

Eine Siedlung aus der Bronzezeit

Text: Prof. Dr. Biba Terzan und Prof. Dr. Dres. h.c. Bernhard Hänsel, Institut für Prähistorische Archäologie, Berlin

Zu Beginn des 2. Jt. v. Chr. entstehen im Karst Istriens am Ende der Adria, wo die Mittelmeerwelt am weitesten nach Norden reicht, monumentale Bergsiedlungen. Seit 1997 werden in einem dieser Kastelliere genannten Orte großflächige Grabungen durchgeführt. Zutage kamen Überreste einer dicht bebauten, bis zu 1500 Menschen umfassenden Siedlung mit deutlich sozialer Gliederung. Wie die Untersuchungen zeigten, ist die Siedlung nicht allmählich gewachsen, d.h. über eine längere Zeitspanne hin immer größer geworden, sondern in einem Akt der Kolonisation von einer großen Gruppe Neusiedlern errichtet worden. Dabei hat man unter gewaltigem Arbeitsaufwand den Berg regelrecht geköpft. Seine Kuppe diente als Steinbruch und lieferte das Baumaterial für die mächtigen Mauern und vielen Gebäude. Die horizontalen Flächen unter den Häusern sind nicht natürlich entstanden, sondern durch das Abtragen von gewaltigen Steinmengen geschaffen und sogleich überbaut worden. Das ganze Bergplateau wurde von Menschenhand errichtet. Nur eine große Gruppe von Neuankömmlingen konnte die 50 000 m2 umfassende Grundfläche herstellen, randlich befestigen und gänzlich bebauen. Alle Befestigungsmauern sind wiederholt ausgebaut und auch repariert worden. Man gewinnt den Eindruck, als wäre die Pflege und Verstärkung der Verteidigungsanlagen permanente Gemeinschaftsaufgabe gewesen. Besondere Aufmerksamkeit erwecken die Häuser und Räume, weil sie sich deutlich von denen aus der Nachbarschaft unterscheiden. Bemerkenswert ist, dass außerhalb der Akropolis wesentlich kleinere Häuser liegen. Auf den Terrassen im Westen der Siedlung sind sie nach dem Prinzip »Reihenhaus« angeordnet. Sie erwecken den Eindruck, Wohnhäuser einer einfachen Bevölkerungsgruppe gewesen zu sein. Aus den wenigen Grabfunden wird deutlich, dass der Ort in seiner Gründungsphase von einer Elite errichtet und gelenkt wurde. Wo die eigentliche Nekropole für die Gesamtbevölkerung lag, ist unbekannt, dafür konnten aber zwei sorgfältig errichtete Gräber in sehr prominenter Position am repräsentativ gestalteten Zugang in die Stadt ausgemacht werden. Sie befanden sich am Aufgang vom Meer her und waren von jedermann, der sich in die Siedlung begab, deutlich zu sehen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt