Fenster Europa: Niederlande
Kaiserlicher Luxus im Militärlager
Text: Harry van Enckevort, Bureau Archeologie, Nijmegen und Kees Peterse, PANSA BV, Nijmegen
Nijmegen war der wichtigste römische Militärstandort in den Niederlanden. Seine Bedeutung wird noch dadurch unterstrichen, dass das Lager auf dem Kops Plateau um 10 v.Chr. wahrscheinlich mehrfach als zeitweiliges Hauptquartier des kaiserlichen Oberbefehlshabers Drusus, des Stiefsohns Kaiser Augustus' und jüngeren Bruders des späteren Kaisers Tiberius, gedient hat. Eine neue Rekonstruktion des Praetoriums zeigt, dass hier Erfordernisse militärischer Bauten mit mediterraner Luxusarchitektur zu einer dem Rang seines Bewohners angemessenen Einheit verschmolzen. Die Umwehrung des zunächst 3,5 ha großen Lagers bestand aus einer massiven Holz-Erde-Mauer mit zwei vorgelagerten Spitzgräben, die parallel zu den Höhenlinien des Geländes angelegt waren. Obwohl der Steilhang an der Nordseite bereits einen gewissen natürlichen Schutz bot, wurden die Gräben auch an dieser Seite weitergeführt. Eine hölzerne Stützkonstruktion verhinderte, dass der Rand des Plateaus abstürzen konnte. Zahlreiche während der Ausgrabungen gefundene Keramikscherben weisen Graffiti ihrer früheren Besitzer auf. Einer von ihnen war T. Ussi(us), Reiter oder »aquilifer« (Träger des Adlers) der 1. Legion. Sein Name und die anderer Soldaten deuten darauf hin, dass die hier stationierten Legionäre aus dem Mittelmeergebiet kamen. Auch ein Terra Sigillata-Teller mit dem Stempel des Verna, eines Töpfers der 13. Legion, könnte ein Hinweis auf die Anwesenheit von Legionären sein. Das im Verhältnis zum Lagerareal überdimensionierte und an einer besonderen Stelle errichtete Praetorium sowie das ungewöhnliche Verhältnis zwischen Mannschaftsbaracken und Offiziersunterkünften deuten darauf hin, dass das Lager wahrscheinlich nicht als Truppenstation, sondern als Kommandozentrum gedient hat. Von hier aus könnten bis 16 n.Chr. verschiedene Feldzüge gegen die Germanen koordiniert worden sein. Nach den Besonderheiten der Innenbebauung zu urteilen, dürfte es sich bei dem von hier aus operierenden Feldherrn nicht um einen (einfachen) Legionskommandanten gehandelt haben, sondern eher um den Oberbefehlshaber, der damals meistens Mitglied der kaiserlichen Familie war. So ist es wahrscheinlich, dass sich Drusus zeitweilig in dem Lager auf dem Kops Plateau aufgehalten und von dort aus die militärischen Operationen geleitet hat.(...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
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