Fenster Europa: Sizilien
Pantelleria - das Sprungbrett der Phönizier
Text: Anke Pieper, Journalistin, Hamburg.
Die Vulkaninsel Pantelleria, das antike Cossyra, liegt im äußersten Südwesten Italiens, in Sichtweite der tunesischen Küste. Was heute absolute Peripherie bedeutet, war im Altertum von größtem strategischen Interesse, denn die Phönizier oder Punier, wie sie die Römer nannten, konnten die Insel von ihrer Hauptstadt Karthago in einer Tagesreise erreichen. Von hier aus ließ sich auch die Straße von Sizilien kontrollieren. Seit einigen Jahren sucht ein deutsch-italienisches Archäologenteam im Bereich der antiken Akropolis nach Anhaltspunkten für die Art ihrer Bebauung. Und von Jahr zu Jahr wird klarer: Die hier gelegene Siedlung war bedeutender als bisher angenommen. Der Hügel, auf dem die Archäologen seit zwei Jahren arbeiten, liegt oberhalb der Inselhauptstadt und wurde mittlerweile komplett kartografiert und teilweise geomagnetisch untersucht. Bei anfänglichen Stichgrabungen kamen unter anderem ein außerordentlich komplexes System von Zisternen und Wasserleitungen zutage. Nach den bisherigen Funden zu schließen lebten die antiken Bewohner Pantellerias vom auch heute noch bedeutenden Weinanbau. So wurden etwa fernab der Siedlungen auf den Feldern Münzen gefunden, Belege dafür, dass die Weinbauern Geld für ihre Trauben erhielten. Auch unzählige Weinamphoren, die man aus etwa 20 rund um die Insel gesunkenen antiken Schiffswracks geborgen hat, sprechen für einen ausgeprägten Weinexport. Im Stadtgebiet auf der Akropolis konnten bis jetzt f ünf relativ große Areale ausgegraben werden. Eine Art Achse bildete dabei eine in mehreren Kurven auf den Hügel führende Straße, von der man bisher 50 Meter freigelegt hat. Sie war auf beiden Seiten von Wohnhäusern flankiert. Bauglieder eines phönizischen Tempels kamen in den Verfüllungen von Zisternen auf der Hügelspitze zum Vorschein: Vom ionischen Stil geprägte Teile von Skulpturen und Säulen, Kapitelle, Friese und ein Löwenkopf von der Traufleiste. Alle diese Elemente sind aus dem lokalem vulkanischem Gestein gefertigt und mit einer feinen, weißen Stuckschicht überzogen. Auch aus nach-phönizischer Zeit gibt es noch Funde, die weiterhin auf materielles Wohlergehen in der Siedlung schließen lassen. Um 600 n.Chr. wurde der Ort dann vermutlich durch Vandalen zerstört. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
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