Titelthema: Endneolithikum / Frühbronzezeit
Getrennt und doch vereint
Text: Dr. Roland R. Wiermann, Hochdorf-Schweinhausen
Im hessischen Mittelgebirgsraum treten ab ca. 2600 v. Chr. für etwa 500 Jahre die Kultur mit Schnurkeramik und der Glockenbecherkomplex gleichzeitig auf. Beide endneolithische Kulturen weisen zwar identische Siedlungsareale auf, eindeutige Mischinventare in Gräbern oder Siedlungen fehlen jedoch. Dies führt zu dem Schluss, dass die Träger der beiden Kulturen sich bewusst voneinander abgrenzten und mieden. Der Grund für diese klare Trennung liegt vermutlich darin, dass die Kultur mit Schnurkeramik, deren Hinterlassenschaften vom Rhein bis zum Ural bekannt sind, und der eher in Westeuropa vertretene Glockenbecherkomplex auf zwei gegensätzlichen Ideologien basieren (vgl. Schwerpunktthema AiD 2/1999), wobei hierunter die bewusst oder unbewusst angewandten Wertvorstellungen einer Gesellschaft zu verstehen sind. Diese gemeinsamen Bräuche wirken innerhalb der jeweiligen Gesellschaft identitätsbildend und zeigen sich etwa in strengen Bestattungsregeln oder genormten Verzierungsmustern. Einflüsse von außen (z.B. Metallurgie) haben vermutlich dazu geführt, dass die Kultur mit Schnurkeramik und der Glockenbecherkomplex am Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausends in der Adlerberg-Gruppe aufgingen, die ab ca. 2200 v. Chr. für das nördliche Oberrheingebiet belegt ist. So lassen sich verschiedene kulturelle Merkmale der endneolithischen Kulturen auch für die Adlerberg-Gruppe nachweisen. Mit der Glockenbecherkultur sind etwa Ähnlichkeiten in der Verzierungsweise der Keramik oder in den Bestattungssitten belegt. Aus der Kultur mit Schnurkeramik sind im archäologischen Fundmaterial der Adlerberg-Gruppe verschiedene Bezüge dokumentiert. So weisen beispielsweise die kupfernen Äxte vom so genannten Typ Eschollbrücken deutliche Ähnlichkeiten mit den facettierten Steinäxten der Schnurkeramik auf. Sie belegen neben der typologischen auch eine soziale Kontinuität, denn beide Objekte sind Statussymbole, die ihren Träger als herausragende Persönlichkeit kennzeichnen. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



