Forschung: Heidelberg

Gräberfeld im Campus

Text: Dr. Andreas Hensen, Kurpfälzisches Museum, Heidelberg

Bei der Erweiterung der Heidelberger Universität stieß man 1951 auf einen der besterhaltenen Bestattungsplätze der römischen Kaiserzeit. Umfangreiche Grabungen unter Leitung von Berndmark Heukemes folgten, die erst 1969 ihren Abschluss fanden. Seit 1999 werden nun Gräber und Grabbeigaben im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes wissenschaftlich ausgewertet. Dabei hofft man wichtige Erkenntnisse zu den Bestattungsriten und der Identität der Toten zu erhalten. Bei der überwiegenden Mehrheit (96%) der 1349 Heidelberger Gräber handelt es sich entsprechend der damals üblichen Bestattungsart um unterschiedliche Formen der Brandbestattung. Einen besonderen Aufwand lassen Gräber erkennen, in denen eine gläserne Urne in einem ossuarium oder Ziegelplattenbehälter steht und auf diese Weise zusätzlich geschützt wird. Von insgesamt 18 Steinkisten sind einige noch fest verschlossen angetroffen worden, d.h. Deckel und Kiste waren mit verplombten Eisenklammern versiegelt. Besondere Beachtung verdient die zur damaligen Zeit nur in Ausnahmefällen praktizierte Körperbestattung. Gelegentlich sind auch Haustiere ihrem verstorbenen Besitzer beigesellt worden, wie etwa ein Zwerghund, der auf dem Aschehäufchen seines Halters lag. Pferde und Hunde wurden aber auch ohne Bezug zu einer Bestattung inmitten des Gräberfeldes niedergelegt. Die Auswahl der Dinge, die dem Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen oder später bei der Beisetzung in der Grabgrube gewidmet wurden, war von kulturellen Traditionen und Konventionen, Glaubensvorstellungen und nicht zuletzt von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Angehörigen bestimmt (AiD 3/2001, S. 26 f). So gelten etwa Münzen und Lampen als Hinweise auf eine vom italisch-römischen Totenbrauchtum bestimmte Beisetzung. In Heidelberg sind sowohl römische wie regionale Traditionen nachweisbar, sie kommen jedoch selten in »Reinform« vor, sondern durchdringen sich vielmehr. Gerätschaften, die über das Berufsleben des Verstorbenen Auskunft geben, gelangten nur in seltenen Fällen ins Grab. So deuten etwa zwei ungewöhnlich große, bronzene Schröpfköpfe bei einer Brandbestattung auf einen Arzt hin. Ziel der laufenden Untersuchung ist es, den bestatteten Personenkreis aus der Anonymität hervortreten zu lassen: Einige hatten in den im Westkastell stationierten Hilfstruppeneinheiten Dienst getan, die meisten Beigesetzten gehörten jedoch der Zivilbevölkerung an. Die Grabausstattungen führen uns die vielfältigen Bestattungsriten vor Augen, die während der mittleren Kaiserzeit in Obergermanien praktiziert wurden. Anhand der Beigabenauswahl können Rückschlüsse auf den Grad der zivilisatorischen Anpassung einer Provinzbevölkerung mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Wurzeln gezogen werden. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2003.

 

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