International: Mongolei

In Dschingis-Khans Hauptstadt

Text: Dr. Ernst Pohl und Helmut R. Roth, Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn

Karakorum soll, wie es heißt, schon unter Dschingis-Khan, »im 15. Jahr seiner Regierung«, d.h. im Jahre 1220 n. Chr., gegründet worden sein. Konkrete bauliche Maßnahmen werden allerdings erst für die Regierungszeit seines Sohnes und Nachfolgers Ögödei erwähnt, dann aber in so umfangreichem Maße, dass vermutlich zu dieser Zeit die Umwandlung eines rein nomadisch geprägten Großlagers in eine Stadt mit festen Bauten erfolgte. Eine ausführliche Stadtbeschreibung verdanken wir dem Franziskaner-Mönch Wilhelm von Rubruck, den Ludwig IX. von Frankreich in das Mongolenreich gesandt hatte und der sich 1254 für mehrere Monate in Karakorum aufhielt. Aufgrund seiner Aufzeichnungen wissen wir, dass Karakorum damals den geradezu kosmopolitischen Charakter einer Weltstadt besaß, was auch für die archäologischen Untersuchungen von höchster Bedeutung ist. Der vielfältige Charakter der Stadtbevölkerung hat sich auch im archäologischen Fundgut niedergeschlagen. Definitiv zu Ende war die Zeit Karakorums im 16. Jh., als unmittelbar südlich des Stadtareals das Kloster Erdenee Zuu auf Initiative des Chalkha-Fürsten Abtaj-Khan errichtet wurde. Die annähernd quadratische Anlage von etwa 400 m Seitenlänge ist von einer Mauer eingerahmt, die mit insgesamt 100 Stupas versehen wurde, sichtbarer Ausdruck der Hinwendung zum Buddhismus und zwar seiner tibetischen Form, dem Lamaismus. Zerstörungen, Wiederaufbaumaßnahmen, Umbauten, all diese Komponenten lassen sich bei den vorhandenen günstigen Umständen auch archäologisch nachweisen. Die Stadtmitte lässt sich, abgesehen vom Verlauf der Straßenzüge, in erster Linie durch verschiedene Schutthügel bestimmen, die beidseitig der Straßentrasse liegen. Sie kennzeichnen offenbar Standorte ehemaliger Gebäude unterschiedlicher Funktionen. Die Gebäudemauern bestanden in der Regel aus ungebrannten Lehmziegeln, mehrfach nachgewiesene Holzstrukturen lassen in einigen Fällen Fachwerkhäuser vermuten. Umfangreiche Heizsysteme sorgten im langen mongolischen Winter mit seinen tiefen Temperaturen für Wärme, darunter Heizkanäle als Fußbodenheizungen oder beheizbare Betten bzw. »Ofenbänke«. Funde und Befunde deuten auf die Freilegung des Handwerker - und Handelsviertels von Karakorum hin. Dies belegen vor allem zahlreiche Öfen, die in allen bislang beobachteten Schichten auftauchen. Gusstiegel, Halbfabrikate und Endprodukte zeigen, dass an der Straße offensichtlich Metallhandwerker angesiedelt waren. Die Ausgrabungsergebnisse werden 2004/05 in einer großen Mongolei-Ausstellung zu besichtigen sein, die in der Bundeskunsthalle in Bonn und dem Völkerkundemuseum in München zu sehen sein wird. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2003.

 

Diese Ausgabe ist nicht mehr erhältlich

 

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