Titelthema: 150 Jahre Pfahlbauforschung

Kluge Bauern, eifrige Händler

Text: Dr. Urs Leuzinger, Amt für Archäologie des Kantons Thurgau.

Dank der hervorragenden Erhaltungsbedingungen in den Pfahlbausiedlungen des Bodenseeraums und dem Federseegebiet sind wir gut über die Wirtschaftsweise der jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Dorfgemeinschaften informiert. Analysen von Rohmaterial, archäologische und archäobiologische Auswertungen sowie moderne Experimente belegen, dass die Pfahlbauer ihre Umwelt sehr gut kannten und gezielt nutzten. Zur Erforschung der damaligen Wirtschaft und Umwelt stehen aus großflächigen Grabungen in den Feuchtbodensiedlungen nicht nur zahlreiche Funde, sondern auch ein umfangreiches Datenmaterial zur Verfügung. Mit dem Bestimmen und Auszählen botanischer Samen und Früchte, Pollendiagrammen, geologischen Schichtanalysen, dendrochronologischen Untersuchungen sowie Tierknochenauswertungen können die Umgebung und der Einfluss des Menschen auf seine Umwelt rekonstruiert werden. Neben Ackerbau und Viehzucht betrieben die Pfahlbauer weiterhin Fischfang, Sammelwirtschaft und die Jagd mit Pfeil und Bogen. An die Pfeile aus dem Holz des Wolligen Schneeballs wurden mit Birkenteer Feuersteinspitzen oder Geweihtüllen geklebt. Der Anteil an Wildtierknochen in den Pfahlbausiedlungen schwankt zwischen 10 und 90%. Er war besonders während klimatisch schlechter Perioden hoch; so konnten wahrscheinlich die Ernteausfälle der Landwirtschaft teilweise aufgefangen werden. Jagdwild Nr. 1 war der Rothirsch; aber auch Wildschwein, Ur, Bär, Reh usw. standen auf dem Speiseplan. Bemerkenswert sind die seltenen aber in vielen Siedlungen vorkommenden Funde aus ortsfremdem Rohmaterial. Sie belegen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Seeufersiedlungen im Bodenseeraum Kontakte zu weit entfernten Gegenden hatten. Ein Prunkstück aus der Pfahlbauerzeit ist der Goldbecher von Eschenz, heute im Museum für Archäologie des Kantons Thurgau zu sehen. Er wurde 1906 beim Eisenbahnbau entdeckt. Auffällig ist die geografische Nähe des Fundorts zum Seeausfluss in den Rhein, wo man relativ bequem bei der Insel Werd das Gewässer überqueren kann. Leider wurden damals keine weiteren Befunde beobachtet, sodass unklar bleibt, ob der Becher eine Grabbeigabe, ein Depotfund oder ein Weiheopfer darstellt. Das schon damals sicher sehr wertvolle Stück wurde wahrscheinlich nicht lokal hergestellt. Auch die Goldzusammensetzung liefert derzeit keine Informationen zur Herkunft des Bechers. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2004.

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