Forschung: Trossingen

Krieger auf der Leier

Text: Dr. Barbara Theune-Großkopf, Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg, Außenstelle Konstanz.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jh. gestaltete sich die Konservierung und Untersuchung von Holzfunden, wie sie etwa aus dem alamannischen Gräberfeld von Oberflacht bekannt sind, aufgrund mangelhafter Techniken als schwierig. Dadurch fehlen uns heute viele wünschenswerte Informationen. Nach dem neuesten Forschungsstand durchgeführte Analysen an den Grabfunden aus Trossingen halfen nun, diese Lücke zu schließen. Die Ausstattung des Mannes aus Grab 58, der im Alter von etwa 30 Jahren verstarb und in einer Kammer aus schweren Eichenbohlen beigesetzt wurde, enthielt ausgesprochen viele Holzbeigaben. An Metallobjekten haben sich dagegen lediglich die eiserne Lanzenspitze und das Langschwert mit tauschierter Knaufplatte und Parierstange erhalten. Der hohe technische Standard der Holzverarbeitung ist vor allem bei den gedrechselten Möbelteilen abzulesen. So hat etwa die aus einem Stück Ahornholz gedrehte Tischplatte einen außergewöhnlich großen Durchmesser von 55 cm, was einen Baum entsprechender Größe, aber auch eine für solche Durchmesser geeignete Drehbankvorrichtung voraussetzt. Auffällig ist auch die gezielte Holzauswahl. Während man für die dekorativen Teile wie Tischplatte, gedrechselte Stuhlpfosten oder die Zwischenstäbe der Stuhlrückenlehne Ahorn verwendete, kam für Teile, die die Stabilität sicherten, Esche zum Einsatz. Dies gilt für die Querstreben des Stuhls, aber auch für die Tischbeine. Die bei weitem eindrucksvollste Beigabe ist eine bis auf die Saiten vollständig erhaltene Leier aus Ahornholz mit sechs Wirbeln aus Esche und Hasel und einem erstmals nachgewiesenen Leiersteg aus Weidenholz. In Form und Größe ist sie eng mit bekannten frühmittelalterlichen Leiern verwandt. Die ausgehöhlte Rückseite mit Schallkasten, Jocharmen und Jochbogen ist aus einem Stück gefertigt. Den Schallkörper verschließt auf der Vorderseite eine dünne Resonanzdecke mit acht kleinen Schalllöchern. Beide Teile wurden mit Knochenleim verklebt. Abnutzungsspuren am linken Jocharm sowie eine nachträgliche Sicherung der Deckplatte durch kleine Bronzenägel zeigen, dass die Leier vor der Grablegung längere Zeit in Gebrauch gewesen sein muss. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2004.

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