Titelthema: Endneolithikum / Frühbronzezeit
Kupfer, Bronze und Eliten
Text: Dr. Knut Rassmann, Römisch-Germanische Kommission, Frankfurt/M.
Den Beginn der Bronzezeit im ausgehenden 3. Jahrtausend prägen in Mitteleuropa zwei entscheidende Innovationen. Die Erste ist die Übernahme der ursprünglich aus dem Vorderen Orient stammenden Bronzeherstellung, das Legieren von neun Teilen Kupfer mit einem Teil Zinn. Die Zweite ist die Entwicklung neuer Verhüttungstechniken, wodurch Erzlagerstätten intensiver genutzt und die Ausbeute an Kupfer entscheidend erhöht werden konnte. Beides hatte weitreichende Folgen für die soziokulturelle und ökonomische Entwicklung. Vergleicht man die Tragweite beider Innovationen miteinander, so fällt den neuen Verhüttungstechniken zunächst offenbar eine größere ökonomische Bedeutung zu. Obwohl die Beimengung des Zinn zum Kupfer zweifellos zu deutlich verbesserten Materialeigenschaften -insbesondere in Hinsicht auf Gießen und Schmieden- des neuen Werkstoffs führte, bestanden die meisten Metallgegenstände am Beginn der mitteleuropäischen Frühbronzezeit nach wie vor aus Kupfer, nur die wenigsten sind echte Bronzen. Die Kontrolle über die Ressourcen der Kupferproduktion, über die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten der Verarbeitung, aber auch die Überwachung der Interaktionsräume und Netzwerke, über die die Produkte verteilt wurden, bildete die wichtigste Grundlage für die Entstehung von Reichtum und Macht. Dabei lassen sich nicht nur innerhalb der Gemeinschaften, sondern auch geografisch im Bezug auf einzelne Regionen deutliche Machtunterschiede feststellen. Auffällig ist das fast einheitliche System an Zeichen, mit denen Macht und Tradition der Machtausübung legitimiert werden sollten. Zu dieser Symbolik gehört auch das Besetzen exponierter und traditionsreicher Plätze in der Landschaft, wie beim gewaltigen Hügelgrab von Helmsdorf, das auf einem endsteinzeitlichen schnurkeramischen Gräberfeld errichtet wurde. Die sich in der Frühbronzezeit vollziehenden Veränderungen hatten unterschiedliche Auswirkungen. Die Ausbreitung der Kenntnis der Fahlerzverhüttung hatte eher direkte ökonomische Folgen: Die Steigerung der Kupferproduktion ermöglichte die Versorgung weiterer Gemeinschaften, die bestehenden Austauschsysteme wurden intensiver genutzt. Die Nachfrage nach Zinn führte zu einer erheblichen regionalen Ausweitung der Austauschsysteme und verlieh ihnen eine nahezu gesamteuropäische Dimension. Wie die kulturgeografischen Untersuchungen zur Ausbreitung unterschiedlicher Kupfersorten und Fertigprodukte belegen, unterlag die Verteilung der Rohstoffe, Techniken und Fertigprodukte einer strengen Kontrolle. Dies öffnete für bestimmte Personen oder Personengruppen den Zugang zu Reichtum und Macht, was sich in den reichen Gräbern der Frühbronzezeit eindrucksvoll zeigt. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



