Titelthema: Mittelalterlicher Landesausbau

Leben auf dem Lande

Text: Gerson H. Jeute M.A., Promotionsstudent am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität Berlin

In Mittelalter und Neuzeit lebte und arbeitete über 90% der Bevölkerung im östlichen Deutschland auf dem Lande. Dennoch ist die ländliche Siedlung Mittel- und Ostdeutschlands bis heute im Gegensatz zu den Städten kaum erforscht, sodass hier noch einiges Potenzial für die archäologische Dorfkernforschung liegt. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem drei Fragen: Wie alt sind unsere Dörfer, wie haben sie sich räumlich entwickelt und wie war ihre Bevölkerung ethnisch gegliedert? Lange Zeit nahm man an, gro ße geplante Ortsformen wären auf deutsche Siedler zurückgegangen, kleine unregelmäßige auf Slawen. Interdisziplinäre Regionalstudien mit Vergleichen von Ortsname, Ortsform und Bodenfunden zeigen jedoch, dass dies nicht immer zutrifft. Nur wenn die Kleinform eines Dorfes einen slawischen Namen besitzt, deutet dies auf heimische Siedler, eine Planform mit deutschem Ortsnamen weist auf Zuwanderer. Die Errichtung von Kirchen im Mittelalter trug erheblich zur Stabilit ät der Ortslagen bei. Dennoch wurden hin und wieder Siedlungen verlassen und fielen wüst. Die Gründe hierfür sind vielfältig und miteinander verknüpft. Grundbedingung für die Ostsiedlung im 12. und 13. Jh. war der Aufbau von Städten. Dazu benötigte man Menschen und Wirtschaftsfläche. So wurden vor allem stadtumliegende Dörfer - nicht immer widerstandslos - aufgelöst. Ein weiterer Grund, der zum Verlassen einer Siedlung führte, resultierte aus dem Mühlenstau, der beim Bau größerer Mühlen die Flüsse ansteigen ließ. Dadurch erhöhte sich der Grundwasserspiegel und viele slawische Niederungsdörfer mussten verlegt werden. Nur in geringem Maße haben also kriegerische Ereignisse zur Wüstwerdung von ländlichen Dörfern und Siedlungen beigetragen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt