Titelthema: Mittelalterlicher Landesausbau

Lockruf nach Osten

Text: Dr. Matthias Hardt, Geisteswissenschaftliches Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. Leipzig.

Die slawischen Regionen Ostmitteleuropas wurden während der Karolingerzeit und der Epoche der Ottonen und Salier von häufigen Kriegszügen aus dem Gebiet westlich von Elbe und Saale geprägt. Während der sorbische Süden im 10. Jh. schon bald in die Königsherrschaft integriert werden konnte, blieb der Nordosten dank des erfolgreichen Aufstands der Lutizen im Jahr 983 noch länger als ein Jahrhundert unabhängig. Ein umfangreicher Veränderungsprozess begann dann in der Mitte des 12. Jh., als slawische und deutsche Fürsten westliche Einwanderer in ihre östlichen Herrschaftsgebiete riefen. Mit Rodung der Wälder wurde auf den gewässerferneren Arealen, deren Lössböden sich hervorragend zum flächenhaften Anbau von Getreide eigneten, begonnen. In der Frühphase des Landesausbaus entstanden planmäßig angelegte Kleinsiedlungen, wenig später auch große Dörfer mit einer auf die Dreifelderwirtschaft ausgerichteten Gewannflur, also mit voneinander getrennten Arealen für Wintergetreide, Sommergetreide und Brache. Die Erweiterung der agrarisch genutzten Flächen führte auch zu weiteren wirtschaftlichen Umstrukturierungen. Das im Überfluss, also nicht in reiner Subsistenzwirtschaft angebaute Getreide wurde in den ebenfalls nun entstehenden Städten, wo sich Handwerk und Gewerbe sammelten, verkauft. Hier errichtete man auch die Wassermühlen zum Mahlen des auf den Märkten verkauften Brotgetreides. Der dazu notwendige Aufstau der meist mit wenig Gefälle fließenden Gewässer überflutete viele der älteren slawischen Siedlungen. Ihre Bewohner waren nun gezwungen, sich gemeinsam mit den Zuwanderern eine »neue Heimat« zu suchen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

 

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

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