Spektrum: Glücksfund
Luthers reiche Kinderstube
Text: AiD
Die Abfallgrube am kürzlich entdeckten Elternhaus des Reformators Martin Luther im sachsen-anhaltinischen Mansfeld gibt immer mehr verborgene Schätze frei und übertrifft in ihrem Fundreichtum alle Erwartungen. Zahlreiche, meist erstaunlich gut erhaltene Kleingegenstände geben Einblick in den Hausarbeitsalltag im 15. Jh., wie etwa ein im Herbst 2003 entdeckter Fingerhut aus Messing, der vermutlich Luthers Mutter gehörte. Die Kuppe des Handarbeitsutensils ist wabenförmig strukturiert, aber flacher als bei modernen Fingerhüten. Zu dem bislang etwa 300 Gegenstände umfassenden Fundspektrum gehören unter anderem Stecknadeln, das Fragment eines Spinnwirtels, Schmuckapplikationen, zahlreiche Glasscherben von Trinkgefäßen sowie vor allem auch Dinge, die als Kinderspielzeug gedeutet werden können wie Tonmurmeln, Pfeifen aus Gänseknochen oder Schellen. Insgesamt belegen die Funde einen hohen Lebensstandard im Hause Luther. Fragmente von Butzenscheiben deuten auf eine Fensterverglasung hin, ein Luxus, der in einer von Hunger und Entsagung geprägten Gesellschaft nur einer privilegierten Schicht vorbehalten war. In dieselbe Richtung verweisen vor allem auch die zahlreichen Tierknochen aus den Küchenabfällen. Sie belegen, dass Fleisch wohl häufig auf dem Speisezettel stand und auch exotische »Leckerbissen« wie etwa Rabenvögel gegessen wurden. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



