Museum: Landesmuseum für Vorgeschichte Halle

Lebendige Urwelten

Text: Dr. Harald Meller, Landesarchäologe Sachsen-Anhalt

Die Bestände des Landesmuseums für Vorgeschichte zählen zu den wichtigsten archäologischen Sammlungen Mitteleuropas. Nach jahrelanger Schließung aufgrund von Sanierungsarbeiten konnte nun der Bereich Alt- und Mittelpaläolithikum wieder geöffnet werden. Dabei erwartet den Besucher eine außergewöhnliche Konzeption. Im Zentrum der Ausstellung mit dem Titel »Geisteskraft« steht der denkende Mensch. Das Ausstellungsteam hatte sich nach intensiver Diskussion für eine chronologische Abfolge mit einzelnen thematischen Schwerpunkten entschieden. Ziel war es, eine den architektonisch hervorragenden Räumen angemessene ästhetische Ausstellung zu entwickeln, in der die kontextuellen Bezüge der Fundkomplexe erkennbar bleiben sollten. Wesentlich war hier die Entwicklung assoziativer Bilder, um einerseits schnelle bildliche Abnutzungseffekte, andererseits aber auch umfangreiche »pädagogische Textwüsten« zu vermeiden. Am Beginn der Ausstellung ist die Fundstelle von Bilzingsleben (370 000 Jahre vor heute) originalgetreu nachgebildet. An diesem Dauerlagerplatz des Homo erectus haben sich Reste von Hütten und Kochstellen, aber auch menschliche Schädelreste sowie umfangreiche Zeugen von Flora und Fauna erhalten. Ein Spektrum dieser Funde wird in Schubladen unterhalb der Befundfläche gezeigt. Den großen Hauptraum bestimmt ein in der Pose des Denkers von Rodin dargestellter Ante-Neandertaler, ein Vorfahre des Neandertalers aus der Zeit vor etwa 200 000 Jahren. An einer Längsseite des Raumes verläuft ein 17 m langes Artefaktband, das 210 alt- und mittelpaläolithische Steingeräte Mitteldeutschlands in chronologischer Reihenfolge zeigt. Im runden Eckraum wird die Geschichte des eemzeitlichen Elefantenschlachtplatzes von Gröbern (125 000 Jahre vor heute) erzählt, wo vor etwa 125 000 Jahren ein kranker Waldelefantenbulle von einer Urmenschengruppe ausgeweidet wurde. Neben dem originalen Befundbett und gegenüber der Eingangstür tritt ein aufgrund der Originalknochen rekonstruierter Elefant aus der Wand. In den ersten drei Monaten kamen bereits 34 500 Besucher in die Ausstellung, ein Zeichen, dass die neu entwickelte Museumskonzeption erfolgreich sein wird.(...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.

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