Reportage: Aurignacien in Stuttgart

Eine Flöte macht Geschichte

Text: Dr. Tim Kerig, Württembergisches Landesmuseum Stuttgart und Friedrich Seeberger, Radolfzell.

Das älteste Musikinstrument der Menschheit ist eine Flöte. Ein Eiszeitjäger - oder eine Eiszeitjägerin? - schnitzte sie aus einem Schwanenknochen. 35 000 Jahre später wird diese Flöte im Geißenklösterle, einer Höhle bei Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb gefunden. In Stuttgart ist sie derzeit nun in einer eigenen Ausstellung zu sehen. Nachbauten der Flöte vom Geißenklösterle haben sowohl der Archäologe Joachim Hahn wie auch der Archäotechniker Wulf Hein angefertigt. Sie verwendeten dazu Knochen verschiedener Vögel. Ihre Versuche zeigen, dass die scharfen Innenkanten der mit Feuersteinwerkzeugen eingeschnittenen Grifflöcher den Luftstrom teilen können, wenn die Flöte wie ein Trinkhalm durchblasen wird. Die dabei entstehenden hohen Pfeiftöne lassen sich jedoch durch Abdecken einzelner Grifflöcher nur wenig verändern. Dieses Ergebnis war Anlass, nach weiter gehenden musikalischen Möglichkeiten der Flöte zu suchen. Die älteste Längsflöte mit beidseitig erhaltenen Enden stammt aus der Höhle von Isturitz in den Pyrenäen. Sie lag in Schichten des Gravettien und dürfte um die 25 000 Jahre alt sein. In derselben Höhle wurden zahlreiche Fragmente weiterer Flöten gefunden, bei denen es sich wohl ausnahmslos um offene Längsflöten handelt. Zwischen 7000 und 9000 Jahre alte neolithische Kranichknochen-Längsflöten aus Jiahu (VR China) sind noch heute spielbar. Neben der »Schwanenflügelknochen-Flöte« präsentiert die Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart weitere altsteinzeitliche Musikinstrumente sowie eine musikethnografische Sammlung von Flöten mit zahlreichen Hörbeispielen aus aller Welt. Physikalische Versuche vermitteln die akustischen Grundlagen des Flötenspieles. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.

Buchrezension:
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