Reportage: Ausstellung Franken im Mittelalter

Edel und Frei

Text: Wolfgang Jahn, Jutta Schumann, Haus der Bayerischen Geschichte Augsburg und Dr. Arno Rettner, Archäologische Staatssammlung München.

1281 ließ Rudolf von Habsburg in Nürnberg »alle die von Franken« einen fünfjährigen Eid zur Einhaltung eines Landfriedens schwören. Ruhe und Ordnung sollten so in der Region gewährleistet werden. Wer waren aber »alle die von Franken«? Gab es damals, ähnlich wie heute, ein fest umrissenes »Franken«? Die Bayerische Landesausstellung »Edel und Frei. Franken im Mittelalter« führt zur Beantwortung dieser Frage weit zurück bis an das Ende der Völkerwanderungszeit. Ähnlich wie Hessen rechts des Rheins wird auch Franken kaum in Schriftquellen vor dem 8. Jh. erwähnt, und wenn, dann geografisch nur unscharf. Unsere wichtigsten Quellen für das Frühmittelalter sind deshalb die vielfältigen Grabfunde aus dem 6. bis 8. Jh., von denen einige in der Ausstellung in Form eines begehbaren Gräberfeldes präsentiert werden. Typisch für Franken sind große Kammergräber. Dicht nebeneinander platziert treten sie in so genannten Reihengräberfeldern auf, die allerdings selten 1000 und mehr Bestattungen umfassen wie im Rheingebiet. Abgesehen von den Gräberfeldern Weißenburg und Großhöbing bestehen die unter- und mittelfränkischen häufig nur aus etwa 200 bis 300 Gräbern, was vermutlich auf kleinere Siedlungsgemeinschaften hindeutet. Charakteristische Beigaben sind Tischgeschirre (Tonkrüge, Teller, Knickwandtöpfe), Glasgefäße und spezielle Waffen (die Wurfaxt francisca, der Wurfspieß ango, das Hiebmesser scramasax). Fränkische Gewohnheiten lassen sich oft auch an der Fundlage ablesen. Die Mischbevölkerung aus altansässigen Gruppen, umgesiedelten Thüringern und fränkischen Zuwanderern ersetzte nach und nach Altes durch Neuheiten aus dem Westen, etwa handgeformte Keramik durch scheibengedrehte. Luxusgüter aus Gebieten westlich des Rheins fanden mit den neuen Herren auch am Main Verbreitung wie Goldscheibenfibeln, Schmuckkästchen oder auch ein Glastrinkhorn aus Salz eindrucksvoll belegen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt