Reportage: Rekonstruktion einer römischen Sense

Experiment mit Amboss und Muskelkraft

Text: Frank Willer, Rheinisches Landesmuseum Bonn.

Ein wichtiger Bestandteil archäologischer Forschung ist die experimentelle Archäologie, denn vielfach erschließen sich Bauten und Gerätschaften erst durch den nachvollziehbaren Gebrauch von Rekonstruktionen. So erbrachte die Nachbildung einer 1995 im Bereich des römischen Reiterlagers von Dormagen entdeckten ungewöhnlich großen Sense wichtige Hinweise zu deren Handhabung und Konstruktion. Das Experiment fand im Sensenhammer von Leverkusen-Schlehbusch, einer historischen Schmiede, in der man noch bis 1986 Sicheln und Sensen für ganz Europa herstellte, statt. Röntgenbilder mit sichtbaren Arbeitsspuren, Detailzeichnungen sowie ein Gipsabguss der Sense bildeten die Grundlage für die einzelnen Arbeitsschritte. Materialanalysen am Original hatten ergeben, dass die Sense aus so genanntem ferritischem Renneisen, einem für die römische Zeit typischen kohlenstofffreien und weichen Eisen, hergestellt wurde. Aufgrund des Materials und der enormen Länge besitzt sie ein außergewöhnlich starkes Profil. Dies war wohl nötig, um trotz des hohen Gewichtes eine ausreichende Stabilität des Werkzeugs zu erreichen. Da uns Renneisen heute leider nicht mehr zur Verfügung steht, mussten wir für unseren Schmiedeversuch einen modernen, kohlenstoffhaltigen Sensenstahl verwenden. Er wurde mit reiner Muskelkraft bearbeitet. Die Kontrolle der einzelnen Arbeitsschritte erfolgte mit Hilfe einer Eisen-Schablone und dem Abguss der antiken Sense. Nach etwa drei Tagen anstrengender Schmiedearbeit war die Sense fertig. Zuletzt wurde der Sensenstiel aus Haselnussholz - diese Holzart ergaben Analysen am Archäobotanischen Institut der Universität Köln - befestigt. Erste Probeschnitte zeigten, dass diese lange schwere Sense zum Mähen von Gras wenig geeignet war. Vermutlich wurde sie eher zum Schneiden von dickeren Halmen etwa Binsen oder Schilf verwendet. Genauere Ergebnisse werden wohl erst weitere »Feldversuche« ergeben. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt