Reportage: Tilly-Fund Heidelberg
Verschüttetes Soldatenleben
Text: Dr. Renate Ludwig, Kurpfälzisches Museum Heidelberg.
Es waren wohl die Schlammmassen eines schweren Unwetters, die im Sommer 1622 die Lager der bayerischen Truppen vor Heidelberg unter sich begruben. Durch systematische Begehungen konnten in den letzten Jahrzehnten mehrere Tausend Fundstücke geborgen werden. Sie geben umfassende Einblicke in das Alltagsleben und die materielle Kultur einer von Kriegswirren, Machtspielen und konfessionellen Streitigkeiten geprägten Epoche. Nach Schriftquellen und zeitgenössischen Abbildungen errichtete die etwa 15 000 Mann starke Belagerungsarmee insgesamt sechs Lager und mindestens sieben Schanzen. Drei der befestigten Truppen- und Artilleriestellungen auf dem Gaisberg im Süden der Stadt konnten untersucht werden. Sie lieferten umfangreiches Fundmaterial aus der Zeit des Belagerungsjahres. Da auch ein Heer der frühen Neuzeit keine »Wegwerfgesellschaft« war, die nachlässig mit anvertrautem Gut umging, stellt sich die Frage, wie die vielen Waffen, Kriegsgeräte, Werkzeuge, Trachtbestandtteile, Münzen und Keramiken in den Boden gerieten. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass die Gegenstände einfach verloren gingen oder nach dem Abzug der siegreichen Truppen Tillys zurück gelassen wurden. Auch gelang es den Verteidigern Heidelbergs nicht, die Belagerer in ihren Standlagern anzugreifen und hier Verwüstungen anzurichten. Eine mögliche Erklärung liefert der Bericht des Heidelberger Stadtkommandanten Heinrich van der Merven. In seiner Ende 1622 veröffentlichten Kapitulations-Rechtfertigung berichtet er von einem gewaltigen Unwetter, das am 29. August 1622 verheerende Schäden in den Stellungen der Verteidiger und Belagerer anrichtete. Einem starken Gewittersturm konnten die leichten Zelte und Unterkünfte sicherlich nicht standhalten, sodass sie wohl mit allen Utensilien vom Schlamm begraben wurden. Vermutlich ist ein Großteil der Funde bei diesem Ereignis in den Boden gelangt. Dafür spricht auch die Auswertung der Münzen, denn mehr als die Hälfte der Prägungen stammt aus den Jahren 1621 und 1622. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.
Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro
AiD-Lexikon:
(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...



