Reportage

Als Steinbeile noch vom Himmel fielen

Text: Dr. Erhard Cosack, Bezirksregierung Hannover.

Zwei Steinbeile, die ein Landwirt kürzlich auf seinem Acker bei Großgoltern in der Region Hannover entdeckte, stellten die Archäologen vor ein großes Rätsel. Sie waren durch platt abgeschliffene Schneiden funktionsunfähig gemacht worden. Derartige Funde sind aus steinzeitlichen Siedlungen wie auch Gräbern unbekannt und so führte die Suche nach einer Erklärung dieses Phänomens schließlich in die Neuzeit. Eine Quelle aus dem 18. Jh. berichtet über das Abschaben von Steinbeilen und der Verwendung des gewonnenen Steinmehles zu medizinischen Zwecken. So sollte es etwa bei festem Stuhlgang helfen »Wenn einer feste wäre / und man schabe etwas von einem Donner=Keile / und schiesse damit / so müsste er auffgelöst werden. Man müste aber drey Donner=Keile haben / ob man gleich nur von einem etwas schabet«. Das Steinmehl sollte aber auch »den Urin treiben / und wieder die Gelbsucht ein Specificum sein«. Ferner hat man das Steinmehl auch zur Behandlung von erkranktem Vieh eingesetzt, so wurden etwa die geschwollen Euter der Kühe damit bestrichen. Diese historischen Belege für das Abschaben von Steinbeilen aus medizinischen Gründen scheinen eine einleuchtende Erklärung für die funktionsunfähigen Steinbeile aus Großgoltern zu sein. Als der Glaube an die magische Heilkraft der Steinbeile verloren ging und sie damit ihrer Kraft beraubt waren, wird man sie wohl schlicht entsorgt haben. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt