Titelthema: Spiele

Spielparcours durch die Epochen

Text: Prof. Dr. Dieter Planck, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Esslingen.

In Siedlungsgrabungen der Vor- und Frühgeschichte und des Mittelalters tauchen immer wieder Gegenstände auf, die als Spielutensilien interpretiert werden können. Einige Funde, wie etwa Spielsteine oder -bretter lassen sich eindeutig zuordnen, bei natürlichen Gegenständen wie Pflanzen, Nüssen, Eicheln, Knochen oder Knöchelchen fällt eine klare Zuweisung schon schwerer. Wir wissen zwar, dass schon in den Höhlen der schwäbisch-fränkischen Alb oder den steinzeitlichen Rastplätzen Kinder sich mit Spielen beschäftigten. Ob hierfür jedoch konkrete Gegenstände hergestellt oder gerade eben natürliche Ressourcen genutzt wurden, lässt sich nicht sagen. Sicher ist jedoch, dass sich Kinder und Jugendliche im Spiel bereits mit Themenbereichen beschäftigten, die in ihrem späteren Leben von Bedeutung sein sollten. Belege hierfür sind etwa kleine in den Pfahlbauten entdeckte Schiffsmodelle oder tönerne Ritterfiguren aus dem hohen Mittelalter. Das Fundmaterial belegt aber auch, dass Spiele ebenso den Erwachsenen zum Zeitvertreib oder zur Entspannung dienten, ganz zu schweigen von der gesellschaftspolitischen Komponente, denn oft waren Spiele auch eine Form des friedlichen »Kräftemessens« zwischen Nationen oder Gesellschaftsschichten. Ein Vergleich der Spiele und Spielmaterialien über die Jahrhunderte zeigt, dass sich viele Spielarten aus verschiedenen Epochen ähneln und oft die gleichen Regeln und Grundmuster besitzen. Dazu zählen vor allem Würfelspiele sowie Spielbretter und -steine. Eine bunte Auswahl ist an Funden zum Kinderspiel erhalten. Hierzu gehören in erster Linie Rasseln, Tierfiguren und vor allem Puppen. Es ist auffällig, dass in antiken und mittelalterlichen Schriftquellen zwar einiges über die Auswüchse des Spiels, aber relativ wenig über die Spiele selbst, Spielzusammenhänge, Spielregeln und Spielnutzung überliefert wird. Vermutlich waren Spiele und Spielarten allgemein bekannt und Erklärungen in der zeitgenössischen Literatur daher unnötig. Dies erklärt aber auch, warum die Interpretation vieler Fundgegenstände und ihre Zuweisung zu einem bestimmten Spiel so schwer fällt. In Kombination mit den Funden geben jedoch die schriftlichen Nachrichten Hinweise zur Rekonstruktion der Spiele, sodass wir trotzdem ein buntes Bild dieses wichtigen Phänomens besitzen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.

 

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt