Titelthema: Hausbau in Norddeutschland

Stallgeruch in der Stadt

Text: Birte Heitzmann, Hamburg

In den Städten des Mittelalters spielte die Landwirtschaft eine beträchtliche Rolle im Alltag. So bauten die Stadtbewohner neben ihrer Betätigung in Handel oder Gewerbe Garten- und Feldfrüchte an und hielten sowohl Klein- als auch Großvieh. Deshalb benötigte man auch hier landwirtschaftliche Gebäude, die sich meist hinter den Wohnhäusern befanden. Eine Vielzahl solcher Bauten konnte in Greifswald untersucht werden. Nicht zuletzt aufgrund der Raumnot mittelalterlicher Städte wurden hier landwirtschaftliche Gebäude benötigt, deren Bauweise den städtischen Gegebenheiten angepasst war. Häufig finden sich multifunktional genutzte Gebäude. So waren Kloaken gelegentlich in Ställe oder sogar Getreidespeicher integriert. Ein zu unterschiedlichen landwirtschaftlichen Zwecken genutztes Gebäude entdeckte man bezeichnenderweise in der Kuhstraße. Der massiv errichtete, zweistöckige Pfostenbau hatte eine Grundfläche von mehr als 100 m2. Im Schutt des in den 1280er- oder 1290er-Jahren abgebrannten Gebäudes waren Wandreste von drei unterschiedlich großen Räumen erhalten. Der mittlere besaß eine äußerst hart geschlagene Lehmtenne zum Dreschen. In allen Räumen fanden sich im Brandschutt große Mengen verkohlten organischen Materials. Der archäobotanischen Analyse zufolge handelt es sich um Getreidevorräte sowie um Rückstände der Getreidereinigung. Das Obergeschoss des Gebäudes diente vermutlich zur Getreidelagerung, während die ebenerdigen Räume zusätzlich als Stall und Dreschdiele genutzt wurden. Nicht nur archäobotanische und archäozoologische Ergebnisse helfen bei der Befundinterpretation städtischer Landwirtschaftsbauten. Auch historische und ikonografische Quellen liefern zahlreiche Belege für städtische Landwirtschaft und die entsprechenden Gebäude. Um genaue Aussagen zu deren Form und Konstruktionsweise treffen zu können, sind allerdings umfangreiche archäologische und bauhistorische Analysen nötig. Daher sollten bei Stadtkernforschungen verstärkt Nebengebäude und Hinterhofbereiche in die archäologischen Untersuchungen einbezogen werden. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2004.

Buchrezension:
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