Titelthema: Endneolithikum / Frühbronzezeit
Trennung der Geschlechter im Tod
Text: Andreas Neubert M.A. und Andreas Northe M.A., Institut für Prähistorische Archäologie, Martin-Luther-Universität, Halle sowie Dr. Horst Bruchhaus, Institut für Humangenetik und Anthropologie, Friedrich-Schiller-Universität, Jena
Im Grabritus der Schnurkeramik rückt im Gegensatz zur jungsteinzeitlichen Kollektivbestattung in regelrechten Grüften das Individuum stärker in den Vordergrund. Dies zeigt sich an der deutlichen Dominanz von Einzelbestattungen, bei denen, streng nach Geschlechtern getrennt, Männer auf ihrer rechten, und Frauen auf der linken Seite liegend beerdigt wurden. Hinweise auf höher gestellte Personen finden sich mitunter im Grabbau. So waren aufwändige Grabkonstruktionen und komplexe Bestattungszeremonien wie etwa in Dornburg, Kr. Saale-Holzland, offenbar Personen mit besonderer wirtschaftlicher, politischer und/oder sakraler Bedeutung vorbehalten. Die in Mitteldeutschland etwas sp äter anzutreffenden Glockenbecherleute praktizierten eine ähnlich klare Geschlechtertrennung im Totenritual (Männer links-, Frauen rechtsseitig). Die häufig angeführten »Metallurgenbestattungen«, denen ein höherer Status zugeschrieben wird, sind bei den mitteldeutschen Glockenbecherleuten nicht sicher zu belegen. In diese Richtung weist jedoch eine aufwändig hergerichtete Steinkiste von Stedten, Lkr. Mansfelder Land. Neben drei Pfeilspitzen, Speisen, einigen Geweihgeräten und einem Kupferdolch wurde dem Bestatteten auch ein Steingeräteset beigegeben, das eventuell zur Metallbearbeitung diente. Auch in der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur finden sich keine sicheren Hinweise auf ein höheres Ansehen von »Metallurgen«. Spezifische »Metallurgie-Beigaben« wie etwa Tondüsen wurden sowohl in »reicher«, als auch »ärmer« ausgestatteten Gräbern, etwa in Sachsenburg, Kyffhäuserkreis oder Erfurt-Gispersleben entdeckt. Für die Spätphase der Aunjetizer Kultur schließlich kann eine deutlich hierarchisierte Gesellschaft ausgemacht werden. Dem Gros »normaler« Flachgräber steht nun eine kleine Anzahl aufwändiger Grabhügel wie etwa in Leubingen, Lkr. Sömmerda mit »überreicher« Ausstattung (Bronzewaffen, Goldobjekte und Steingeräte) gegenüber. Insgesamt zeigen die Grabfunde deutliche Unterschiede im sozialen Aufbau der endneolithisch-frühbronzezeitlichen Kulturen an. Den wenig stratifizierten Schnurkeramikern und Glockenbecherleuten folgt in der Spätphase der Aunjetitzer Kultur eine deutlich hierarchisierte Gesellschaft. Formal lehnt sich diese etwa im Bereich der Gefäßkeramik an die Glockenbecherkultur an, ihre Gesellschaftsstruktur orientiert sich aber - soweit aus dem Bestattungsritual erschließbar - an dem für die neuen Anforderungen günstigeren schnurkeramischen Modell altersabhängiger Ränge und »big men« an der Spitze. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 5 / 2003.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



