Titelthema: Mittelalterlicher Landesausbau

Vergrabene Dorfgeschichten

Text: Katrin Frey M.A., Greifswald.

In dem vom Braunkohlentagebau betroffenen Ort Kausche, Kr. Spree-Neiße konnte erstmals in Brandenburg ein in der Ostsiedlungszeit gegründetes Dorf vollständig untersucht werden. Dabei wurden wichtige Erkenntnisse über den Verlauf der deutschen Einwanderung, das Verhältnis zu den bereits ansässigen Slawen und über die mittelalterliche und neuzeitliche Entwicklung eines Dorfes in diesem Gebiet gewonnen. Sie sind in mancher Hinsicht exemplarisch für viele Dörfer in der Niederlausitz, die ihre Entstehung dem hochmittelalterlichen Landesausbau verdanken. Die Anfänge Kausches liegen in den Jahren um 1200: Damals wurden auf zuvor unbesiedeltem Gelände drei oder vier Gehöfte errichtet. Das Hauptgebäude eines Hofes war ein großes Pfostenhaus, dessen Traditionen in das nordwestliche Deutschland oder in die Niederlande weisen und das somit einen Hinweis zur Herkunft der Siedler gibt. In den Bauten aus dieser Phase wurde vermehrt einheimische, spätslawische Keramik gefunden. Dies spricht für Kontakte der Neusiedler mit den in der Umgebung ansässigen Slawen, die möglicherweise auch an der Dorfgründung beteiligt waren. Jedenfalls weisen solche Funde auf friedliche Beziehungen von Deutschen und Slawen hin. Von der Bebauung des 13. bis 15. Jh. zeugen zahlreiche Pfosten-, Keller- und Abfallgruben, Stein- und Scherbenpflaster sowie Zaunreihen und Gräben. Unter den Kauscher Funden sind eine Pfeilspitze, ein bronzener, verzierter Beschlag, diverses Agrargerät und ein kleiner Münzschatz des 17. Jh. hervorzuheben. Ansonsten entspricht das ärmliche Fundmaterial dem bescheidenen materiellen Niveau der bäuerlichen Haushalte in einem kleinen Dorf, ganz im Gegensatz zu den Hinterlassenschaften reicher Bürgerhäuser aus mittelalterlichen Stadtkerngrabungen. Neben Keramik mit Kugelböden, die charakteristisch für Norddeutschland im späten Mittelalter ist, fanden sich auch zahlreiche Gefäße mit Standböden, wie sie zur selben Zeit in Südost- und Süddeutschland verwendet werden. Dies verdeutlicht die Grenzlage Kausches in einem Raum, der zwischen dem Norden und Süden Ostdeutschlands bis hin nach Böhmen vermittelte. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

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