Titelthema: Die Helvetier
Vom Bauernhof zum Oppidum
Text: Peter Jud, Archäologische Bodenforschung Basel.
Das wohl bekannteste Oppidum der Schweiz liegt auf der Enge-Halbinsel, im Innern einer schmalen Schlaufe der Aare, wenige Kilometer flussabwärts der heutigen Stadt Bern. Schon in der Frühzeit der Siedlung entstand offenbar auch ein bedeutendes Heiligtum in der Tiefenau, mit Tausenden von Opfergaben und Kriegstrophäen. Ob auch die eindrücklichen Befestigungsanlagen, die sich rings um die Halbinsel ziehen, bereits aus dieser Frühzeit stammen, ist noch unklar. Die Ursprünge des kleinen Städtchens Yverdon-les-Bains am Westende des Neuenburger Sees reichen nach Aussage von Einzelfunden vielleicht bis ins 5. Jh. v. Chr. zurück, auch wenn handfeste Siedlungsbefunde zurzeit erst ab dem 3. Jh. v. Chr. vorliegen. Für die Archäologie ist die Fundstelle nicht zuletzt wegen der zahlreichen Holzfunde, die sich im feuchten Boden erhalten haben, von großem Interesse. Etwa auf halbem Wege zwischen Bern und Yverdon, in Sichtweite des Heiligtums von La Tène, erhebt sich der Mont Vully 250 m über die Seenlandschaft - auch heute noch ein häufig besuchter Aussichtsberg. Auf dem Höhenrücken, der in der Keltenzeit von einer mit Türmen bewehrten Befestigung geschützt wurde, konnte bis jetzt zwar keine dauerhafte Besiedlung festgestellt werden, aber einige spektakuläre Funde wie etwa ein Stempel für die Herstellung von Silbermünzen unterstreichen die Bedeutung dieses Platzes. Die wichtigsten Siedlungen entstanden offenbar an den Schnittpunkten bedeutender Verkehrswege, und schon ab dem Ende des 4. Jh. v. Chr. hat man das Reisen durch gezielt angelegte Bauten erleichtert. Mit der römischen Eroberung des Rhonetales um 125 v. Chr. wurde Genf, Oppidum der Allobroger, zu einem Aussenposten des Imperiums. Der Bau einer Hafenanlage um 120 v. Chr. öffnete das Tor zum Schweizer Mittelland, und die folgenden Jahrzehnte bringen wichtige Veränderungen in der Westschweizer Siedlungslandschaft. In der Ostschweiz wurde bis jetzt erst ein einziges echtes Oppidum entdeckt. Altenburg-Rheinau, gleich unterhalb des Schaffhauser Rheinfalls gelegen, umfasst zwei beidseits des Rheines gelegene Halbinseln, die durch Abschnittswälle zu einem über 300 ha großen Areal verbunden wurden. Zahlreiche Südimporte, aber auch Funde aus dem germanischen Gebiet im Norden belegen die Bedeutung der Nord-Süd-Route, die im Innern des Oppidums über den Rhein setzte. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 3 / 2003.
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Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
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