Titelthema: Pfeil und Bogen
Vom Original zur Rekonstruktion
Text: Dr. Johann Tinnes, Freiberuflicher Archäologe, Köln.
Wann Pfeil und Bogen in der Steinzeit genau zum ersten Mal auftauchen, ist bislang noch unklar. Die ersten überlieferten und ausgesprochen seltenen Bogenfunde datieren in das Mesolithikum, wie etwa der Bogen vom niederländischen Fundplatz Polderweg (5500 - 5300 v. Chr.). Form, Stärke und Leistungsfähigkeit dieses Stückes wurden mittels eines originalgetreuen Nachbaus untersucht. Vom Holzbogen konnten insgesamt 9 Fragmente geborgen werden. Indem bei Zusammensetzung der Bruchstücke zwei fehlende kurze Abschnitte ergänzt wurden, ließ sich ein 74 cm langes Stück mit Griffansatz rekonstruieren. Am Übergang zum Griff zeigt der Bogen einen alten stufigen Bruch mit Absplitterung auf dem Rücken. Diese Fraktur ist vermutlich bei der Benutzung entstanden, da der relativ schlanke Griff der hohen Druck- und Zugbelastung nicht stand hielt. Angefertigt wurde der Bogen aus einem ca. 8 cm dicken, astfreien Ulmenstamm - im Mesolithikum Nordeuropas das beste für den Bogenbau zur Verfügung stehende Holz. Außergewöhnlich für einen Bogen dieser frühen Zeit ist die sorgfältig ausgearbeitete Nocke. Sie ist 1,9 cm lang, 0,5 cm breit und 0,8 cm dick, zapfenförmig und läuft am Ende spitz aus. Zeitgleiche Bögen verfügen lediglich über schlichte, spitz auslaufende Enden oder einfache seitliche Einkerbungen. Für den Nachbau wurde ein etwa 6 Jahre abgelagertes Ulmenstämmchen mit 9 cm Durchmesser längs gespalten. Nach Entfernung der Rinde erfolgte die Ausarbeitung des Bogenrückens. Anschließend wurde der Griff geformt und die Wurfarme seitlich zum Ende hin verjüngend zugearbeitet. Um eine symmetrische Biegung der beiden Wurfarme zu erzielen, hat man den Bogen von der Bauchseite bearbeitet. Zum Schluss wurde er mit Schachtelhalm abgeschliffen und mit einer Sehne aus Pflanzenfasern bespannt. Entstanden ist ein kräftiger 543g schwerer Bogen mit einem Zuggewicht von 32 kg bzw. 70 lbs bei einem Auszug von 70 cm, der dem Original im Wesentlichen entsprechen dürfte. (...)
Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.
– Eine Geschichte des alten Ägypten
Stuttgart: Theiss Verlag 2012, 324 S., 19 Abb., 2...
AiD-Lexikon:
Abgeleitet von »gr. ethnos« (= Volk) und »genesis« (= Entstehung). Je nach Forschungsgegenstand von...



