Titelthema: Hausbau in Norddeutschland

Vom Pfostenloch zur Hausgeschichte

Text: Dr. W. Haio Zimmermann, Nieders. Institut für histor. Küstenforschung, Wilhelmshaven.

Wenn wir Archäologen begeistert Besuchern auf Grabungen von schönen »Häusern« berichten, kommt oft die ernüchternde Frage, weshalb wir es anhand unspektakulärer Verfärbungen oder Pfostenstümpfen im Boden überhaupt wagen dürfen, von Häusern zu sprechen. Denn anders als bei Hausforschern, die noch stehende Gebäude untersuchen, sind unsere Befunde gewöhnlich nur zweidimensional, wir finden meist nur noch die Löcher, in denen die dachtragenden Pfosten und die Wandfundamente standen. Mit viel Glück sind bei guten Erhaltungsbedingungen, wie etwa in der Marsch, noch Pfostenenden und Wandreste in Holz und als Flechtwerk erhalten. Hin und wieder finden wir auch Bauhölzer, die uns helfen, den Oberbau zu rekonstruieren. Aber immer gilt, wenn wir das Gefüge eines Gebäudes beschreiben: die Unsicherheit wächst mit steigernder Höhe. Rekonstruktionen, ob als Modell oder in natürlicher Größe, sind deshalb nur das Ergebnis unserer Interpretation. Überzeugender läßt sich die Frage, wozu es überhaupt Hausforschung gibt, beantworten. Sie kann ein Schlüssel zur Beantwortung wirtschafts-, sozial- und technikgeschichtlicher Fragen sein. Dabei reicht es nicht, viele Grundrisse freizulegen, und diese in Typ A B C usw. zu gliedern. Wie hätten sich die früheren Bewohner über ein solches Vorgehen wohl gewundert! Nein, wir müssen ergründen, weshalb und wie das Haus gebaut wurde, also nach Funktion und Konstruktion fragen. Da Aussagen meist nur auf Grund der Fundamentspuren möglich sind, läßt sich lediglich erahnen, wie das Haus genau im Aufgehenden aussah. Schwerpunkt der archäologischen Hausforschung ist Nordwestdeutschland, wo vor allem aus den Jahrhunderten nach Christi Geburt zahlreiche Hausgrundrisse freigelegt werden konnten. Der Fall der Mauer machte im vergangenen Jahrzehnt dann auch umfangreiche Untersuchungen südlich der Ostsee möglich. Durch die Entdeckung einer Vielzahl germanischer Langhäuser aus der römischen Kaiserzeit ist man zurzeit dabei, eine seit den 30er Jahren des 20. Jh. bestehende Forschungslücke zu schließen. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 2 / 2004.

 

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