Titelthema: Spiele

Von Astragalen, Nüssen und Würfeln

Text: Dr. Anita Rieche, Rheinisches Landesmuseum, Bonn.

Die Spiele der Römerzeit sind durch Funde von Spielgerät sowie literarische Quellen und Spielsprüche gut bekannt. Besonders viele Informationen besitzen wir zu den antiken Brettspielen. Hier reichte das Spektrum vom einfachen, kleinen Mühlespiel (heute bekannt als Tris oder Altdeutsche Mühle) über die große Mühle, das dameähnliche Söldnerspiel (Ludus Latrunculorum) bis hin zu XII Scripta, dem Vorläufer von Backgammon und einer ganzen Reihe weiterer Spiele der Neuzeit. Die Regeln dieser Brettspiele sind weitestgehend bekannt, wenn auch nicht immer im Detail rekonstruiert. Die erhaltenen Würfel sind zumeist aus Knochen gefertigt, es gibt aber auch solche aus Bronze, Bergkristall und anderen wertvollen Materialien. Wie bei den heutigen Würfeln ist die Verteilung der Augen von 1 bis 6 so angelegt, dass die jeweils gegenüberliegenden in der Summe sieben ausmachen. Zum Würfeln wurden ein Spielbrett mit erhöhtem Rand (Abacus) und Würfelbecher benutzt. Ein besonderes Spielgerät ist der Würfelturm, bei dem die Würfel über Treppen auf das Spielfeld rollen. Das einzige bisher gefundene Exemplar, neben einem hölzernen Turm aus Ägypten, befindet sich heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Funde aus den römischen Provinzen zeigen, dass hier dieselben Spiele gespielt wurden wie in Italien selbst. So hat man etwa in Trier ein Spielfeld für Scripta XII entdeckt, das auch den für dieses Spiel typischen Spruch aus sechs Wörtern mit je sechs Buchstaben trägt. Allerdings heißt das nicht, dass die Auswahl der Spiele und der ihnen zugeschriebene Sinn irgendwann oder gar zu jeder Zeit derselbe gewesen sein muss. Sehr differenziert ist das Bild vom Spiel in der römischen Antike noch nicht. Manches aber lässt sich fassen. So sind etwa für das Kleinkinderalter Rasseln und anderes Spielzeug überliefert. Ein besonders beliebtes Kinderspielzeug waren Nüsse, entsprechend wurde das Ende der Kindheit dann auch redensartlich mit »die Nüsse hinter sich lassen« bezeichnet. Zahlreiche Spiele sind so konkret überliefert, dass sich Regeln ableiten lassen. Was bis heute über römische Spiele bekannt ist, scheint viel und ist doch wenig. So fehlen etwa differenzierte Informationen zu den Spielenden, den Epochen und Regionen. Auch jene Objekte, die aus Naturmaterialien bestanden, gibt es heute nicht mehr: Die Bretter aus Holz oder die Nüsse, die die Kinder in Stoffbeuteln oder im Mantelbausch mit sich trugen; das Seil zum Tauziehen oder andere Spiele; die hölzerne Bahn für ein Spiel, bei dem Nüsse gerollt wurden. Und schließlich haben wir nur vage Kenntnis von den Spielen, die ohne Material gespielt wurden wie etwa das »Gericht«-Spiel oder ein Spiel, bei dem mit den Fingern Zahlen gezeigt wurden. Die erhaltenen Materialien und erschlossenen Spiele geben eine Ahnung von einem Bereich, dessen Alltäglichkeit und Allgegenwart angenommen werden kann, den die archäologischen Quellen aber nur in kleinen Ausschnitten überliefern. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2004.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt