Titelthema: Pfeil und Bogen

Waffenhort im Moor

Text: Harm Paulsen, Schleswig.

Während der Jüngeren Römischen Kaiserzeit fanden in Südskandinavien umfangreiche militärische Aktivitäten statt, die über zahlreiche Waffenfunde aus dänischen und deutschen Opfermooren greifbar werden. Besonders viele Ausrüstungsgegenstände kamen 1863 bei Ausgrabungen im süddänischen Nydam-Moor zutage, darunter auch 40 Bögen, Bogenfragmente und zahlreiche Pfeile. Bei der Bogenherstellung wurde darauf geachtet, dass die in Schussrichtung weisende Seite aus dem zähen Splintholz, der Bogenkörper aber aus dem dunklen Kernholz der Eibe bestand. Verbleibende Knäste auf der Splintholzschicht störten zwar die Ästhetik, stellten aber bei richtiger Behandlung keine Bruchgefahr dar. Zur Befestigung der Bogensehne dienten diagonal gegenüberliegende Sehnenkerben. Einige Exemplare weisen nur an einem Ende eine Sehnenkerbe auf, am anderen befindet sich ein herausgearbeiteter Zapfen, an dem die Sehne festgebunden war. Das lässt vermuten, dass es ein bevorzugtes, nach oben orientiertes »Bedienungsende« gab. Es ist an Doppelkerben, Sehnen-Ruhenägeln und Kampfspitzen zu erkennen. Bemerkenswert ist auch, dass einige Bögen »Bewehrungen«, also aufgesetzte Spitzen aus Geweih oder Eisen an ihren Enden besaßen. Die Erfindung des Bajonetts in modernen Armeen scheint offensichtlich bei den Nydambögen vorweggenommen. Die Pfeilspitzen der Nydamfunde bestehen überwiegend aus Eisen, aber auch Knochen und Geweih kommen vor. Sie sind entweder breit und flach oder schlank mit quadratischem Querschnitt. Für die Jagd und den Kampf eignen sich die breiten lorbeerblattförmigen Pfeilspitzen. Ihre überwiegend schlanken dornartigen Spitzen können Schilde und Kettenhemden durchdringen und erinnern schon an die mittelalterlichen »Bodkin«, die zur Bekämpfung gepanzerter Gegner eingesetzt wurden. Im Rahmen der Untersuchungen des Nydamfundes wurden zahlreiche Bögen und Pfeile nachgebaut und in Schussexperimenten getestet. Bei einer Zugkraft von 25-29 Kilopond erreichten die Pfeile Weiten bis 170 m, durchschlugen Kettenhemden und verwandelten Schilde in Nagelbretter. Als die Angeln und Sachsen ihre Heimat auf der Jütischen Halbinsel verließen und England als ihre neue Heimat wählten, nahmen sie sicherlich ihre Bögen und Pfeile mit. Der Langbogen vom Nydam-Typ könnte also möglicherweise Großvater des berühmten englischen Langbogens sein, der in vielen Schlachten des Mittelalters entscheidend eingesetzt wurde. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2004.

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