Titelthema: Mittelalterlicher Landesausbau

Wenn Götter fallen...

Text: Dr. Heike Reimann und Dr. Fred Ruchhöft, Geisteswissenschaftl. Zentrum für Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V., Leipzig

Seit dem 7. Jh. war die Insel Rügen von dem slawischen Volksstamm der Ranen besiedelt. Dieses kriegerische Volk lebte in ständiger Auseinandersetzung mit den benachbarten Dänen und Sachsen. Während ganz Mitteleuropa bereits christianisiert war, verehrten die Ranen weiterhin heidnische Götter, Hauptstätte ihres Kults war die Jaromarsburg am Kap Arkona. Diese konnte 1168 in einem berühmt gewordenen Feldzug von den Dänen erobert und zerstört werden, ein für die weitere Geschichte auf Deutschlands größter Insel folgenreiches Ereignis. Auch weitere Befestigungen wurden von den Dänen im Verlauf dieses Feldzuges angegriffen. Nach Erstürmung der Burg Karentia kapitulierten der ranische Fürst Tetislaw und sein Bruder Jaromar. Die Burg Karentia hatte eine doppelte Funktion: Hier befand sich der Tempel der Gottheiten Rugiawit, Porewit und Porenuz, die sieben, fünf bzw. vier Köpfe hatten, und sie diente als Fluchtburg für die Bewohner der Umgebung im Kriegsfall. Daher war sie auch nur schwer zugänglich, man konnte sie lediglich über einen einzigen Weg mitten durch den Sumpf erreichen. Nach der Kapitulation wurden auch in Karentia die Götzenbilder gestürzt, und es kam zu einer weiteren Massentaufe. Später stiftete der Dänenkönig Waldemar das Geld zum Bau von zwölf Kirchen, und nach und nach wurden die Bewohner der ganzen Insel christianisiert. Die Christianisierung der Ranen war Grundlage für weitere Umstrukturierungen auf Rügen im 13. und 14. Jh. Sie betrafen die Verwaltungseinteilung der Insel ebenso wie die Wirtschaftsweise in den Dörfern. Solche Umstrukturierungen, die wir heute mit der »mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung« verbinden, gab es ab etwa 1200 auch in anderen westslawischen Siedlungsgebieten. Auf Rügen fanden sie später und unter geringerer Fremdbeteiligung statt als in den Nachbarregionen. Auch die bis 1437 existierende dänische Oberherrschaft hinterließ kaum Spuren. So entstanden noch lange nach 1168 neue Siedlungen, die fast ausschließlich slawische Ortsnamen erhielten. In dieser Zeit entwickelte sich die für Rügen typische Siedlungslandschaft aus Einzelhöfen und kleinen Weilern. Hingegen wurde auf dem der Insel vorgelagerten festländischen Teil des Fürstentums Rügen ein vorwiegend von deutschen Siedlern getragener Landesausbau mit großzügigen Dorfanlagen durchgeführt. Von den nahezu 1000 seit dem Ende des 12. Jh. auf der Insel Rügen erwähnten Orten wurden mehr als ein Drittel bis heute wieder verlassen. Noch in den letzten Jahrzehnten verschwanden etliche Höfe für immer von der Landkarte. Ihre Spuren kann der aufmerksame Wanderer an vielen Stellen der Insel noch entdecken. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 6 / 2003.

Buchrezension:
Die Römer im Rhein-Main-Gebiet

Stuttgart: Theiss Verlag 2011, 224 S., 46 S/W-Abb., 24,95 Euro


AiD-Lexikon:
Homo antecessor

(lat. antecessor: Vorgänger): Die Datierung, die ihn zum frühesten bekannten menschlichen Bewohner...

Habelt