Titelthema: Salz

Wohlstand aus Sole

Text: Dr. Thomas Saille, Seminar für Ur- und Frühgeschichte, Georg-August-Universität, Göttingen

Die Beschäftigung mit den archäologischen Überresten der prähistorischen Siedesalzgewinnung begann in Zentraleuropa im 18. Jahrhundert als ein Militäringenieur der oberlothringischen Festung Marsal auf riesige Abfallhalden tönerner Salzgewinnungswerkteile im Seillegau stieß und sie für Ziegelreste römischer Bauwerke hielt. Obwohl sich diese Interpretation später als falsch erweisen sollte, blieb die französische Bezeichnung briquetage für die Tonformen und -konstruktionen der vorgeschichtlichen Salzsiederei erhalten. Die Salzorte entwickelten sich häufig zu Zentren wirtschaftlicher Macht, vielfältigen Handwerks und weiträumigen Handels. Sie waren unbefestigt; vielleicht ein Hinweis auf mehr oder weniger freie oder vertraglich geregelte Zugangsmöglichkeiten. Die Salzproduktion förderte arbeitsteilige Gesellschaftsstrukturen, die vom saisonalen Nebenerwerb bis zum Vollzeitspezialistentum reichen konnten. Solen kommen entweder natürlich vor oder werden künstlich erzeugt. Dabei treten natürliche Salzlösungen im Binnenland als Quellsolen unterschiedlicher Grädigkeit auf. Im latènezeitlichen Salinenbereich von Schwäbisch Hall hat sich die quadratische hölzerne Einfassung einer Solquelle erhalten; auch in Frankreich sind prähistorische Holzfassungen mehrfach beobachtet worden. Im mitteleuropäischen Binnenland war die Soleverdampfung unter Verwendung von Briquetage das geläufigste Verfahren prähistorischer Salzgewinnung. Dabei sind die Formen des Briquetage, das ganz allgemein in säulen- bis ziegelartige Stützelemente und pokal- bis schalenförmige Tongefäße gegliedert werden kann, sowohl in regionaler als auch in chronologischer Hinsicht sehr unterschiedlich. Es ist zumeist grob gemagert, dickwandig und weist oftmals eine rötlich gefärbte Oberfläche auf. Das Material wurde bei niedrigen Temperaturen gebrannt. Gefunden wird diese Wirtschaftskeramik meist in stark fragmentiertem Zustand. Das in den Salzorten sehr zahlreich gefundene Briquetage deutet auf eine Art industrielle Verwendung dieser Tongebilde hin. Allerdings gingen die Auffassungen über die konkrete Funktion dieser Wirtschaftskeramik lange Zeit stark auseinander, zeitweilig wurde sogar grundsätzlich bezweifelt, ob sich Briquetage zum Sieden eignet. Die Auswertung jüngerer Grabungsbefunde und experimental archäologische Untersuchungen bestätigen jedoch die Verwendung dieser Wirtschaftskeramik im Siedeprozess. (...)

Den ausführlichen Originalbeitrag finden Sie in Heft 1 / 2003.

 

Diese Ausgabe ist nicht mehr erhältlich

 

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